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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2014
Papst Franziskus und seine Gegner
Der Inhalt:

Der Streit um die Ikone

Pussy Riots Kritik an einer missbrauchten Religion traf Russland ins Mark. Lästerten die Frauen Gott? Auch zwei Jahre nach ihrem Auftritt in einer Moskauer Kathedrale ernten sie Hass – manche aber verehren sie heute wie Heilige

Wenn man Christen in Russland fragt, ob sie noch an den Auftritt von Pussy Riot in der Moskauer Christus-Erlöser-Kathedrale im Frühjahr 2012 denken, ist sofort alles wieder da: In ihrer Erinnerung brüllen junge Frauen im Altarraum ein vulgäres Anti-Putin-Lied und werden nach wenigen Sekunden von willigen Helfern der orthodoxen Kirche abgeführt Dann: der Gerichtsprozess und das Straflager.

Für die meisten Christen in Russland ist Pussy Riot nach wie vor eine antireligiös und antirussisch gesinnte Gruppe von Hooligans, die einen heiligen Ort entweihten. Die Strafe, die die Frauen erhielten, finden viele mehr als gerecht: zwei Jahre Arbeitslager wegen »Rowdytums aus religiösem Hass«. Die russische Generalstaatsanwaltschaft sah in der Aktion, die weltweit bekannt wurde, einen »Anschlag auf die christlichen religiösen Werte, Beleidigung der Gefühle von Gläubigen, Lästerung und Erniedrigung für die jahrhundertealten Grundsätze der russisch-orthodoxen Kirche«.

Dass man den Auftritt auch ganz anders deuten kann, sieht man jetzt, zwei Jahre später, in den Straßen Moskaus und im Internet. Da finden sich kleine Ikonenbilder, »Popart« mit politischer Sprengkraft. Sie zeigen die Frauen als Mutter Gottes.

Elena Volkova, Moskauer Literaturwissenschaftlerin und frühere Professorin der Pussy Riots Marija Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa, kann mit diesen Ikonen viel, mit der konservativen Kritik an Pussy Riot dagegen wenig anfangen: »Schaut man sich den Auftritt der Frauen vor der Ikonostase des zentralen Moskauer Gotteshauses an, dann sieht man: Pussy Riot hat in der Wahl des Ortes, in der Form des Protes