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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2014
Papst Franziskus und seine Gegner
Der Inhalt:

Aufgefallen: Der stille Prinz

Der jordanische Jurist Zeid Raad al-Hussein wird neuer UN-Menschenrechtskommissar – und die Menschenrechtler jubeln

Auf den ersten Blick wirkt der Fünfzigjährige langweilig. Er ist einer dieser Beamten, denen man ihre Herkunft nicht ansieht. Die Haut ist blass von den vielen Stunden in Sitzungssälen von New York bis Neu-Delhi. Die Krawatte sitzt perfekt, Englisch spricht er so fließend wie seine Muttersprache Arabisch, und auf dem internationalen Parkett ist er zu Hause. Wohldosiert streut er in seine Vorträge gelegentlich einen Witz ein. Eigentlich ist al-Hussein zu unauffällig, um an dieser Stelle als »aufgefallen« zu erscheinen – wäre da nicht sein Engagement für die Menschenrechte. Prinz Zeid Raad al-Hussein, der sowohl der jordanischen als auch der alten irakischen Königsfamilie angehört, wird der nächste Menschenrechtskommissar der Vereinten Nationen. Der Jurist und Diplomat ist der erste aus der arabisch-muslimischen Welt, der diesen Posten besetzen wird.

In den 1990er-Jahren war er maßgeblich an der Gründung des internationalen Strafgerichtshofs beteiligt. Auch deshalb sind Diplomaten und Menschenrechtsorganisationen begeistert über die Wahl von al-Hussein, einen »ausgewiesenen Verfechter der Menschenrechte«, wie es heißt. Es gibt wenige Orte, an denen der Prinz noch nicht war. Im ehemaligen Jugoslawien nahm er an Friedenseinsätzen teil, im Kongo untersuchte er Vorwürfe zu Kindesmissbrauch durch UNO-Blauhelm-Soldaten, in Cambridge promovierte er, in Mexiko hielt er sich als Diplomat auf, in den USA war er Botschafter seines Landes. Zurzeit ist er jordanischer UN-Botschafter.

Zeid Raad al-Hussein lacht selten. Zumeist wirkt er ernst und konzentriert. Vielleicht wird man so, wenn man sich immer wieder für die Menschenrechte einsetzt, die doch weltweit mit Füßen getreten werden.