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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2013
Die Andersleute
Haben die Orden noch eine Zukunft?
Der Inhalt:

Speisung der Fünftausend

von Barbara Tambour vom 16.08.2013
Anders leben: Annabelle Kirchner arbeitet
neun Monate als Freiwillige bei den Brüdern von Taizé

Eine junge Frau aus Chicago ist gerade in Taizé angekommen. Annabelle Kirchner zeigt ihr, wie sie sich zurechtfindet. »Hier findest du die Kirche. Und da ist das Oyak, unser Kiosk.« Annabelle hat heute Dienst in der »Casa«, im Empfangspavillon der Gemeinschaft. Die 18-jährige Deutsche fragt die Amerikanerin, ob sie direkt aus den USA komme. Nein, sie arbeite zur Zeit in Irland, erzählt der neue Gast. Annabelle Kirchner händigt Essenstickets aus und weist ihr einen Schlafplatz in einer der Baracken zu.

Die Abiturientin aus der Nähe von Aschaffenburg ist Langzeitfreiwillige in der ökumenischen Gemeinschaft. Neun Monate teilt Annabelle das Leben der Brüder in der Kommunität von Taizé. Die Freiwilligen, hier »Permanents« genannt, unterstützen die Frères bei ihrer Basisarbeit: Woche für Woche kommen mehrere Tausend Jugendliche und junge Erwachsene aus aller Welt auf den grünen Hügel in Burgund, um die schlichte und bewusste ökumenische Spiritualität der von Roger Schütz gegründeten Bruderschaft zu erleben. Die Permanents begrüßen die neu Angereisten, kochen das einfache Essen für bis zu fünftausend Menschen und leiten die Putztrupps an.

Als Annabelle hier ankam, musste sie als Erstes dabei helfen, Zelte aufzubauen und zu putzen. Danach bekam sie eine feste Aufgabe in der Küche, wo die Mahlzeiten zubereitet werden. Daneben betreut sie Kinder, während die Eltern in Ruhe den Gottesdienst besuchen können. Als unangenehmste Aufgabe empfindet sie es, in der Kirche für Ruhe zu sorgen. »Ich bin der Buhmann, wenn ich andere ermahne, still zu sein.« Überhaupt sei sie anfangs schüchtern gewesen und habe erst lernen müssen, Konflikte direkt anzusprechen, sagt Annabelle. »Wenn in der Küche etwas schiefläuft, muss ich das stoppen und sagen können: Lass den Herd, geh’ an die Essensausgabe!« Zuerst hatte sie auch Angst, den Transporter der Taizé-Brüder zu fahren. »Ich hatte gerade erst meinen Führerschein gemacht«, erinnert sie sich. Doch der Bruder habe nur gesagt: »Du schaffst das.« Und so war es auch.

Annabelle wendet sich nun einer anderen jungen Frau zu, die ihr als freiwillige Übersetzerin zur Seite steht. Die beiden bereiten die Begrüßung einer Gruppe italienischer Priester vor: »Ich spreche wie immer Englisch und du übersetzt auf Italienisch.« Wie lange sie noch bleibe, will ihre Kollegin wissen. »Sonntag fahre ich heim«, sagt Annabelle. Sie sagt e

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