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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2013
Die Andersleute
Haben die Orden noch eine Zukunft?
Der Inhalt:

Neugierig auf große Fragen

von Rebekka Sommer vom 16.08.2013
Seismograf für den Wandel: Die Diakonie Mitteldeutschland wirkt in der ärmsten Region Deutschlands mit wenigen Christen

Auf der schmalen Landstraße flitzt ein schwarzer Kombi. Vorbei an herrenlosen Backsteinhäuschen, durch Dörfer, die Trebitz und Brachwitz heißen. Das Saale-Tal ist eine verlassene Idylle rings um das Ballungsgebiet Leipzig/Halle. Das Hochwasser des Sommers 2013 hat hier wenig Schaden angerichtet – im Gegensatz zur Stadt Halle selbst, wo 30 000 Menschen ihre Häuser räumen mussten. Der Fahrer des Wagens ist Mitte vierzig, er trägt einen schwarzen Kinnbart. Als er zwischen zwei Dörfern ein großes Werbeplakat passiert, lacht er kurz auf, hebt den Daumen.

Der Slogan »Miteinander« steht da, das Plakat zeigt eine junge und eine alte Frau, aufmerksam einander zugebeugt. Darunter der Schriftzug »Diakonie«. Frieder Weigmann, der Fahrer des Autos, verdient sein Brot mit solchen Werbeaktionen: Er ist Pressesprecher des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland. Und damit auch Sprachrohr der Arbeitslosen, Unterprivilegierten und der 27 000 Mitarbeiter in den diakonischen Einrichtungen dieser Region.

Weigmann trägt dazu bei, brisante soziale Themen öffentlich zu machen. Redaktionen wollen seinen Kommentar, wenn es um Kinderarmut geht oder wenn die Bundesregierung den neuen Armuts- und Reichtumsbericht veröffentlicht. Gerade ist das Hochwasser dran. »Wir vermeiden Katastrophentourismus«, sagt der frühere Journalist, »aber für die Spenden muss ich vor Ort sein und die Stimmen der Menschen einfangen.«

Die Flut des Sommers 2013 war eine Flut mit Ansage. Im Gegensatz zu 2002 fehlten extreme Bilder – etwa von Menschen, die von Dächern gerettet werden. In vielen Medien hieß es, die Spendenbereitschaft sei deshalb gering. Weigmann sieht das anders. Sein Diakonie-Landesverband hat viele regelmäßige Spender und kooperiert mit Tageszeitungen. So kamen schnell 1,7 Millionen Euro zusammen, die für unbürokratische Soforthilfe eingesetzt wurden, zum Ersatz für kaputte Kühlschränke und verschlammte Teppichböden. »Was bei dieser zweiten Jahrhundertflut fehlt, ist eher die menschliche Unterstützung«, meint Weigmann. Immer noch sei nicht klar geregelt, wie die acht Milliarden Euro von Bund und Ländern verteilt werden, welche Kriterien daran geknüpft sind. Die Katastrophenhilfe der Diakonie hat nun in Magdeburg ein Büro eröffnet, das vermutlich drei Jahre Menschen unterstützen, informieren oder Finanzlücken stopfen wird, wenn Versicherungen nicht za

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