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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2013
Die Andersleute
Haben die Orden noch eine Zukunft?
Der Inhalt:

»Ich vermisse das Meer«

von Sara Mierzwa vom 16.08.2013
Antonia (30) ist im April 2012 nach Deutschland ausgewandert, weil es in Griechenland keine Arbeit gab

Ich brauche keinen Luxusurlaub, keinen teuren Schmuck und kein Haus. Ich will nur eine Arbeit haben, mit der ich genug Geld verdiene, um eine eigene Wohnung zu bezahlen und mit Freunden Kaffee trinken gehen zu können. In Griechenland ging das nicht mehr!

Ich hatte gerade mein Studium in griechischer Philologie abgeschlossen, als die Wirtschaftskrise kam. 2010 wurden Benzin und Lebensmittel in Griechenland sehr teuer, meine Wohnung konnte ich mir nicht mehr leisten. Eine Zeitlang habe ich als Lehrerin mit Behinderten gearbeitet, für sechs Euro pro Stunde. Doch das Geld habe ich teilweise erst Jahre später bekommen – und auch nie alles. Die Löhne wurden wegen der Krise gekürzt und meistens erst viel später ausgezahlt. Wenn ich geblieben wäre, hätte ich meine Selbstständigkeit aufgeben und mit dreißig Jahren zu meinen Eltern zurückziehen müssen. Ich suchte verzweifelt nach Arbeit, konnte an fast nichts anderes mehr denken – aber in Griechenland hatte ich einfach keine Chance.

Mein Umzug nach Deutschland war eine Nacht- und Nebel-Aktion. In kürzester Zeit hatte ich mich dazu entschieden, meine Wohnung gekündigt, meine Sachen gepackt. Ich stieg ins Flugzeug und verließ Griechenland ohne Rückflugticket. Ich entschied mich für Deutschland, weil die soziale Lage hier gut sein soll. In Internetforen hatte ich davon gelesen. Durch die Krise in Europa wurden damals sehr viele Informationen ausgetauscht, in welchen Ländern das Leben noch funktioniert.

Das Einzige, was ich mitnahm, waren zwei Koffer mit Klamotten und Fotos von Freunden und Familie, vor allem von meinem kleinen Neffen, zu dem ich eine besondere Verbindung habe. Jetzt ist er schon in der ersten Klasse, und ich bekomme leider gar nicht mehr mit, wie er aufwächst. Ansonsten war ich nicht wirklich traurig. In mir war nur eine große Leere. Ich habe mir immer wieder gesagt: Ich habe ein Recht auf Arbeit und ein Recht darauf, meine Träume zu leben.

Zum Glück kannte ich schon eine deutsche Familie, die ihren Urlaub immer in Griechenland verbracht hat. Sie hat mich sehr unterstützt und bei sich aufgenommen, bis heute wohne ich bei ihnen. Am Anfang haben mich besonders die öffentlichen Verkehrsmittel beeindruckt. Sie sind zwar sehr teuer, funktionieren aber auch gut. So etwas sollte man in Griechenland auch einführen. Außerdem war die Mülltrennung neu für mich. Schade, dass man das bei uns nic

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