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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2012
Erotisches Begehren
Die Sehnsüchte der Menschen und die katholische Sexualmoral
Der Inhalt:

Reise ins verschüttete Licht

von Sabine Schüpbach Ziegler vom 10.08.2012
Die Zen-Meisterin Anna Gamma versteht sich als Buddhistin und Christin. Und meditiert an Orten des Verbrechens

Auf höchstens fünfzig Jahre würde man die zierliche Frau schätzen: Anna Gamma trägt Jeans, einen grünen Pulli und eine Kette mit einer großen Scheibe aus Perlmutt. Sie bewegt sich leichtfüßig durch die Gänge des Lassalle-Hauses, des Zentrums für Spiritualität, Dialog und Verantwortung in der Nähe von Zug in der Schweiz. Dort leitet sie Zen-Kurse. Schwer zu glauben, dass sie tatsächlich 62 Jahre alt sein soll.

»Die Zen-Meditation ist ein Jungbrunnen«, meint sie und lacht ihr frisches, etwas freches Lachen. Beim Meditieren gelange sie in eine Dimension jenseits der linearen Zeit: »Ich bin am Leben angeschlossen, meine Widerstände lösen sich auf.« Das erhalte jung.

Nicht nur im Bezug auf ihr Alter ist Anna Gamma schwer einzuordnen. Sie ist christliche Nonne und zugleich Zen-Meisterin. Sie gibt Seminare für Manager in spiritueller Führungs- und Unternehmenskultur und reist für »Lichtheilungsmeditationen« nach Auschwitz und in den Kosovo. Sie lebt zölibatär und gibt Kurse über »Die Sexualität als goldenes Tor zur Spiritualität« für Frauen in der zweiten Lebenshälfte.

Wenn die promovierte Psychologin von ihren Projekten, Seminaren und geplanten Büchern erzählt, sprüht sie vor Vitalität. Doch immer wieder wird auch eine Ruhe spürbar, die den Raum und die Menschen um sie herum ergreift.

Diese ruhige Ausstrahlung kommt nicht von ungefähr. Denn Anna Gamma hat viele, viele Stunden in der Stille auf dem Meditationskissen hinter sich. Im Jahr 1978 begann sie, bei dem deutschen Jesuiten und Zen-Lehrer Hugo Enomiya-Lassalle (1898-1990) in Bad Schönbrunn Zen zu praktizieren. Seit neun Jahren ist sie selbst Lehrerin. Und vor wenigen Wochen wurde sie zur Zen-Meisterin der Glassman-Lassalle-Zen-Linie ernannt, die ihre Lehrer, der Schweizer Jesuit Niklaus Brantschen Roshi und die katholische Nonne Pia Gyger Roshi, gegründet haben. Jetzt darf sie selber Zen-Lehrer und dereinst ihre eigenen Nachfolger ernennen.

Wie fühlt man sich als frisch gebackene Zen-Meisterin? Schließlich gilt es im Buddhismus als große Ehre, diesen Titel zu erhalten. Anna Gamma winkt ab: Es fühle sich gar nicht so besonders an, es sei für sie einfach eine Anerkennung ihres langen Weges. »Und eine Verantwortung, das kostbare Gefäß des Zen zu pflegen, gleichzeitig aber auch ein offe

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