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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2012
Erotisches Begehren
Die Sehnsüchte der Menschen und die katholische Sexualmoral
Der Inhalt:

Mauern überwinden

von Bettina Röder vom 10.08.2012
Wie kein zweiter Psychotherapeut hat sich Hans-Joachim Maaz mit den Seelen der Menschen in Ost und West beschäftigt

Die Freiheit fängt in der Seele an. Davon ist Hans-Joachim Maaz überzeugt. Sich Zeit nehmen, aufmerksam zuhören, auf Fragen antworten, die auch wirklich gestellt werden, eine Beziehung aufbauen, das gehört für ihn dazu. Er sitzt in dem Therapieraum mit den großen Fenstern und dem Klavier im ersten Stock seines Backsteinhauses in Halle. Hier wohnt er mit seiner Frau, hier arbeitet er. Wer ihn besucht, wird durch einen Blumengarten geführt. Der Therapieraum ist das Besprechungszimmer, in dem er auch Interviews gibt. Wie das zum fünfzigsten Jahrestag des Mauerbaus am 13. August vor genau einem Jahr für Publik-Forum.

Auch da geht es um Zeit, um Einander-Zuhören-Können. All das wurde und wird bis heute im Deutsch-Deutschen versäumt, ist er überzeugt. Seinen Traum von einer Beziehungsgesellschaft als Alternative zur kapitalistischen Leistungsgesellschaft will er dennoch nicht aufgeben. Bis heute nicht.

Der 69-Jährige sitzt nach vorn gebeugt und schaut sein Gegenüber genau an. Einer, der Menschen mag und vielleicht gerade darum so tief und schonungslos die Dinge ausleuchtet. Wie kein zweiter Psychoanalytiker in Deutschland hat er sich mit der Frage beschäftigt, was Ost und West, der Kapitalismus und der Pseudo-Sozialismus mit den Seelen der Menschen gemacht haben. Wie auch die Teilung des Landes, die nach seiner Überzeugung über Generationen hinweg wirkt. Er hat Bücher darüber geschrieben, Diskussionen ausgelöst. Die waren nicht immer harmonisch.

Das wird nun wohl auch bei seinem neuen Buch so sein: »Die narzisstische Gesellschaft«. Es reicht dem Psychotherapeuten nicht, in der Gier allein den Grund für unsere heutige Finanzkrise zu sehen. Gier, davon ist er überzeugt, ist Ausdruck einer narzisstischen Störung. Die bescheinigt er nicht nur Bankern, sondern den meisten Bürgern westlicher Konsumgesellschaften. Ein narzisstischer Mensch ist für ihn ein ständig um Anerkennung ringender, stark verunsicherter Erdenbürger. Der alles tut, um Bestätigung zu bekommen. Das kompensiere er durch Ablenkungen wie Konsum, Besitz, Aktion. Maaz’ Fazit: Wir müssen befriedigende Beziehungen leben.

Doch ohne Höchstleistungen, geht das überhaupt? Hätten wir dann auch die großen Werke der Musik und Literatur? Für den 1943 im Sudetenland geborenen Maaz sind das die positiven Seiten des Narzissmus. Dagegen nehme das Destruktive in un

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