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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2012
Erotisches Begehren
Die Sehnsüchte der Menschen und die katholische Sexualmoral
Der Inhalt:

Diese herrlichen einfachen Menschen

von Brigitte Neumann vom 10.08.2012
»Ich will unschuldig bleiben – unschuldig als Schreiber«. Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Feridun Zaimoglu über Gartenzwerge, Zauberer und Feen. Über die schwarze Sehnsucht und die türkischen Männer

Feridun Zaimoglu wurde 1964 in der Türkei geboren, kam aber als Kind türkischer Gastarbeiter schon als Einjähriger nach Deutschland. In Kiel studierte er Kunst und Medizin. Seine Karriere als Schriftsteller begann 1995 mit einem Paukenschlag, dem kämpferischen Buch »Kanak Sprak«, 24 Porträts von Menschen mit Migrationshintergrund. Es folgten bis heute bald zwanzig Romane, Gedichtbände und Theaterstücke, für die Zaimoglu etliche Preise erhielt. Zuletzt erschien sein Ruhrpott-Roman »Ruß«. Auch Zaimoglus Rolle als Mittler zwischen den Kulturen wurde bereits mit Preisen gewürdigt. Er erhielt zudem den Preis der Literaturhäuser 2012.

Sie sind ein beeindruckender Vorleser, und für dieses Talent, Literatur zu inszenieren, wurden Sie auch mit dem Preis der Literaturhäuser belohnt.

Feridun Zaimoglu: Ich bin ein Geschichtenerzähler, kein Autor. Und wenn der Funke beim Vorlesen auf der Bühne überspringt und ich mit meinen Geschichten anstecken kann, dann bin ich zufrieden.

Erproben Sie die Wirkung Ihrer Sprache, indem Sie sich die erste Fassung Ihrer Texte laut vorlesen?

Feridun Zaimoglu: Nein. Es gibt von allem, was ich schreibe, nur eine Fassung. Ich bin in der glücklichen Lage, sagen zu können, dass ich bis jetzt keine einzige Seite ein zweites Mal geschrieben habe. Das liegt daran, dass ich an der Schreibmaschine schreibe. Und ich sage mir die Sätze auch nicht laut vor. Es freut mich, dass es sich von selbst ergibt. Mir unterstellt man eine gewisse Sprachwucht und Sprachmelodie. Und es ist nicht so, dass ich mir da irgendetwas ertüftele. Und es ist auch nicht so, dass ich mir etwas vorlese, zumal ich sagen kann, dass ich Bilder übersetze in Worte. Und die Sprachmelodie ergibt sich dann einfach.

In welcher Sprache schreiben Sie – Deutsch oder Türkisch?

Feridun Zaimoglu: Deutsch ist mir sehr schnell zur Muttersprache geworden. Ich kann Türkisch seit Langem schon nicht mehr so gut. Also schreibe ich sofort in meiner Muttersprache, auf Deutsch. Auch Notizen mache ich auf Deutsch. Das Türkische ist die Sprache meiner Eltern. Es ist für mich sekundär geworden. Das meine ich nicht wertend. Manchmal finde ich es auch schade, denn es ist immer ein bisschen traurig, wenn man eine Sprache verlier

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