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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2012
Erotisches Begehren
Die Sehnsüchte der Menschen und die katholische Sexualmoral
Der Inhalt:

Eine Kultfigur

von Ingrid Kölle vom 10.08.2012
Den Kiwi aussterben zu lassen ist für den Neuseeländer völlig ausgeschlossen. Darum gibt es die »Operation Nestegg«

Seitdem die Menschen vor etwa 700 Jahren begonnen haben, Neuseeland zu besiedeln, sind zwischen vierzig und fünfzig Prozent der einheimischen Vogelarten ausgestorben. Fast sah es so aus, als ob auch den Kiwi, Neuseelands inoffizielles Wappentier, das gleiche Schicksal treffen würde. Aber der Nationalstolz kann das nicht zulassen. Der einzigartige Vogel, der nicht fliegen, aber umso besser riechen kann, ist zu sehr auch Sinnbild des Landes geworden. Zur Rettung der gefährdeten Vögel rief die neuseeländische Umweltschutzbehörde 1994 das Projekt »Operation Nestegg« ins Leben.

Tief in den Wäldern des Rimutaka Forest Park, nahe der neuseeländischen Hauptstadt Wellington, hat das Kiwi-Männchen Marcel den ganzen Tag über auf seinen Eiern gesessen. Nach Einbruch der Dunkelheit bekommt er Hunger. Der braungefiederte Vogel, der ungefähr so groß ist wie unser Haushuhn, tritt vor die Bruthöhle und stößt einige laute Rufe aus. Das ist das Zeichen für seine Partnerin Huia, dass er bereit ist. Sie antwortet ihm auch sogleich, und gemeinsam gehen sie auf Nahrungssuche.

Mit ihren langen, spitzen Schnäbeln stochern sie im Boden nach Würmern, Larven von Käfern und Insekten, nach Körnern und Früchten. Sie haben keine Ahnung, dass im dichten Unterholz vier Menschen auf der Lauer liegen, die ihr Nest plündern wollen. Sie haben bereits die genaue Lage des Kiwi-Baus per GPS bestimmt und warten nur darauf, dass Marcel ausgeht. »Dann holen wir uns die Eier«, hat Peter Cooper vom Rimutaka Forest Park Trust, einer Stiftung zum Schutz des Waldgebietes, uns vorher erklärt. »Wir werden sie durchleuchten, um sicherzugehen, dass sie brauchbar und in einem guten Zustand sind. Wenn sie schön warm sind und sonst alle passenden Merkmale aufweisen, legen wir sie in die mitgebrachte Thermobox und nehmen sie mit.«

In manchen Ohren könnte das nach Eierdiebstahl klingen. Avi Holzapfel hält nichts von diesem Begriff. Der nach Neuseeland ausgewanderte Deutsche koordiniert in Neuseeland die Schutzmaßnahmen zur Rettung des Kiwis. »Wir borgen uns die Eier«, sagt der Biologe. »Wir kümmern uns für eine kurze Zeit um die Jungen und wir bringen die Jungen wieder zurück an den Platz, wo wir die Eier hergeholt haben. Das heißt, die Population wächst sehr viel schneller, als wenn wir die Eier nicht ausborgen würden. Wir sind so etwas wie die Kurzzeit-Erzieher

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