Zur mobilen Webseite zurückkehren

Die Kirchen wollen ein Beispiel geben

von Hans-Joachim Döring vom 16.08.2002

»Wenn Du unterwegs ein Vogelnest findest auf einem Baum oder auf der Erde mit Jungen oder mit Eiern, und die Mutter sitzt auf den Jungen oder auf den Eiern, so sollst Du nicht die Mutter mit den Jungen nehmen, sondern Du darfst die Jungen nehmen, aber die Mutter sollst Du fliegen lassen, auf dass Dir's wohlgehe und Du lange lebst.« Dieser Ratschlag passt gut zu den über hundert Regeln der letzten zehn Jahre, die für den Karrierebegriff »Nachhaltigkeit« gefunden wurden. Die Regel stammt aus nomadischem Milieu und ist gute 2500 Jahre alt. Sie steht im Alten Testament im 5. Buch Mose, ist praktisch, unromantisch, warmherzig und plausibel. Sie war auch der »Reisesegen« für die 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Bilanztagung zur nachhaltigen Entwicklung in Kirche und Gesellschaft in der Lutherstadt Wittenberg. Dazu eingeladen hatten evangelische und katholische Arbeitszweige. Sie verabschiedeten ein Wittenberger Memorandum »Nachhaltigkeit als Aufgabe der Kirchen«.

Das soll dazu beitragen, dass sich die Kirchen angesichts des bevorstehenden Umweltgipfels in Johannesburg nicht auf bequemen Beobachtungs- oder Besucherbalkonen einrichten. Die Kirchen haben große Möglichkeiten, nachhaltig zu wirtschaften:

• Über 50 000 Gebäude nebst großer Ländereien und Forsten;

• unmittelbare Nähe zu den sozialen Nöten der Menschen durch Diakonie und Caritas;

• tausende von Kommunikations- und Bildungseinrichtungen, die wöchentlich Millionen von Menschen erreichen;

• weit über eine Million Beschäftigte in allen »Tendenzbetrieben« zusammen;

• jährliche »Umsätze« im mehrstelligen Milliardenbereich, Geldanlagen, die praktisch nicht »ethisch« angelegt sind;

• die Verantwortung für die größten nichtstaatlichen Entwicklungsagenturen.

Kurz: Die Kirchen haben eine qualifizierte Dreifachkompetenz für Nachhaltigkeit: ökologisch, sozial und ökonomisch. Das Wittenberger Memorandum ruft dazu auf, diese Herausforderung anzunehmen. Es fasst langjährige Anliegen der Basisbewegungen und der kritischen Wissenschaft zusammen und fragt nach der konsequenten Umsetzung. Immerhin hat der Rat der EKD das Memorandum den Leitungen der Gliedkirchen und Werke zur Berücksichtigung empfohlen. Nun muss nachgehakt werden.

Das Memorandum gliedert sich in zwei Teile: eine theologisch-historische Begründung für das Engagement der Kirchen und einen Teil mit Bilanzen und Beispielen. Sie reichen von der Entwicklungszusammenarbe

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen