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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2020
Der fragile Mensch
Ein Mängelwesen strebt nach gottgleicher Macht und zerstört sich selbst 
Der Inhalt:

»Warum lässt Gott das zu?«

von Sigrid Querhammer vom 31.07.2020
Mirjam Oliva hilft als Freiwillige im Flüchtlingslager auf Samos. Besonders das Elend der Kinder bedrückt sie

Besonders schlimm im Flüchtlingslager auf Samos ist für mich die Situation der Kinder. Sie leben dort viele Monate im Dreck, haben keine Schule. Viele leiden unter starken Stimmungsschwankungen, werden aggressiv. Diese Flüchtlingslager sind kein Ort, an dem sich Kinder entfalten können.

Insgesamt acht Monate war ich als Freiwillige für die Nichtregierungsorganisation Samos Volunteers in den Lagern auf Lesbos und Samos tätig. Aber nie länger als zwei Monate am Stück. Regelmäßige Auszeiten sind wichtig, um Kraft zu tanken. Rund fünfzig Volontäre arbeiteten in den Lagern. Wir trafen uns regelmäßig und tauschten uns aus, wie wir trotz des bedrückenden Umfelds psychisch gesund bleiben können. Ich habe mich oft so machtlos gefühlt. Gut, dass wir Freiwillige uns gegenseitig stützen. Auch mein christlicher Glaube hilft mir. Ich kann abgeben, was mich belastet. Gleichzeitig fordert er mich heraus. Warum lässt Gott zu, dass Kinder so leiden?

Es gab auch Glücksmomente. Auf Samos kamen bis zu 200 Frauen zu den Veranstaltungen in unser Zentrum. Hier waren sie fröhlich, haben getanzt – ganz anders als sonst. Dann kam Corona. Das Zentrum musste schließen. Zurück blieben nur einige Hilfsorganisationen, die medizinische und juristische Hilfe anbieten. Ich verbrachte den Lockdown bei meinen Eltern in der Nähe von Kiel. Den Deutschunterricht, den ich im Lager gegeben habe, setzte ich per Whatsapp fort. Mit meinem Bruder zusammen habe ich zu Spenden für die Organisationen aufgerufen, die auf den griechischen Inseln aktiv blieben. Er hat die Website helfenvomsofa.wordpress.com erstellt. Privatpersonen und Firmen haben gespendet. Während Touristen seit Juni wieder nach Griechenland dürfen, wurde der Lockdown der Flüchtlingscamps gerade erst wieder verlängert.

Die Situation von Flüchtlingen hat mich schon früh in meinem Leben beschäftigt, vielleicht weil meine Oma eine Fluchtgeschichte hat und weil ich als Kind oft mit meinen Eltern umziehen musste. Nach dem Abitur machte ich einen Freiwilligendienst in der deutschen Schule Talitha Kumi in der palästinensischen Stadt Beit Jala. Als ich damals in der Nähe ein Flüchtlingslager besuchte, wusste ich: Das ist meine Lebensaufgabe. Jetzt bin ich gerade wieder auf Samos angekommen. Zwei Wochen muss ich diesmal in Quarantäne bl

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