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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2019
Homosexualität und Kirche
Wo ist das Problem?
Der Inhalt:

Vermittler für Gottes Liebe

vom 26.07.2019
Misha Tumasov aus Russland ist schwul – und wollte Priester werden

Ich wollte Priester werden, seit ich denken kann. Ich konnte mir einfach keinen anderen Beruf vorstellen. Es fällt mir schwer, nicht anderen Menschen immer wieder von Gottes Liebe vorzuschwärmen. Wenn du über die Liebe Gottes sprichst, bekommst du das Gefühl, dass du von der Liebe durchdrungen bist. Dann lädt sich dein Herz mit Liebe auf wie eine Batterie. Ich wollte so gerne ein Vermittler für die Liebe Gottes sein.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 14/2019 vom 26.07.2019, Seite 31
Homosexualität und Kirche
Homosexualität und Kirche
Wo ist das Problem?

Nach einigen Jahren im Priesterseminar vertraute ich mich meinem Bischof an und sagte ihm, dass ich schwul sei. Er reagierte hart, er sagte, dass ich meine Ausbildung nicht fortsetzen könne. Als mir gesagt wurde, ich solle das Seminar verlassen, fühlte sich das für mich an wie eine Verbannung, wie ein Exil. Ich hatte das Gefühl, den Boden unter meinen Füßen zu verlieren. Alles in meinem Leben war auf die Kirche ausgerichtet, die Kirche war meine Familie. Seither engagiere ich mich dafür, innerhalb der katholischen Kirche Toleranz und Akzeptanz für schwule und lesbische Menschen zu erreichen.

In Russland tut die Regierung, als gäbe es dort keine Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender oder Intersexuellen. Hassverbrechen gegen LSBT-Menschen werden ignoriert oder geleugnet. Verbrechen werden nicht geahndet, die Justiz tut, als würde sie uns nicht sehen. Es gibt viele Verbrechen gegen LSBT-Leute.

Wir haben ein Gesetz, das »Gesetz gegen homosexuelle Propaganda« genannt wird. Es besagt, dass es nicht erlaubt ist, vor Minderjährigen neutral über Homosexualität aufzuklären, um diese nicht zu »motivieren« und ihnen »falsche Vorbilder« zu liefern. Da es überall im öffentlichen Raum Minderjährige geben kann, ist es fast unmöglich, über Homosexualität aufzuklären, ohne sich strafbar zu machen. Eine Freundin von mir, die heterosexuell ist, wurde verklagt, weil sie zwei Artikel über gleichgeschlechtliche Ehen in Irland auf Social Media geteilt hatte.