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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2019
Homosexualität und Kirche
Wo ist das Problem?
Der Inhalt:

Dein Leben wird nie mehr dasselbe sein

vom 26.07.2019
Als Joanita Warry Ssenfuka aus Uganda sich selbst akzeptierte, fand sie auch einen neuen Zugang zu Gott

Mit sieben Jahren fühlte ich mich zu meiner besten Freundin hingezogen. Ich dachte, das wäre normal,wir wuchsen zusammen auf. Mit vierzehn Jahren wurde mir klar, dass das Gefühl nicht normal ist. Ich habe erfahren, dass ich etwas bin, das man »lesbisch« nennt. Das wollte ich auf keinen Fall sein! Ich fastete. Ich betete zu Gott, mir zu verzeihen – was auch immer, ich wusste es nicht genau. Ich komme aus einer sehr katholischen Familie, deshalb hatte ich bereits Bücher gelesen, in denen Frauen in die Hölle kamen, weil sie sich zu anderen Frauen hingezogen fühlten. Ich war sehr wütend auf mich selbst wegen meiner Gefühle. Ich zwang mich dazu, eine Beziehung mit einem Jungen einzugehen. Ich dachte, ich probiere zumindest mal aus, wie sich das anfühlt. Aber mit der Zeit wurde mir klar, dass dies entweder dazu führen würde, sich selbst oder den Partner zu hassen. Als Nächstes beschloss ich, mit gar niemandem zusammen zu sein, weil ich keine Sünde begehen wollte. Ich habe viel ausprobiert, um »den Teufel in mir« auszutreiben, bin in verschiedene Kirchen gegangen – aber nichts hat funktioniert. Irgendwann erkannte ich, dass sich meine Gefühle niemals ändern werden, egal, was ich tue. Ich begann zum ersten Mal, mich selbst zu akzeptieren. Ich sagte mir: Gott sieht alles, er wusste noch vor meiner Geburt, dass ich lesbisch sein werde. Trotzdem hat er zugelassen, dass ich auf die Welt komme. Also, so schloss ich, muss mein Leben einen Sinn haben. Egal, ob es meine Mutter ist, mein Bruder, meine Schwester, wer auch immer: Ich werde nicht zulassen, dass mich jemand für das verurteilt, was ich bin. Ich habe mir nicht ausgesucht, lesbisch zu werden. Meine Gefühle habe ich entdeckt, als ich noch ein Kind war! Ich wusste nichts über Sünden. Ich verstand: Das bin ich. Das war ich immer, und das werde ich immer sein. Ich habe mit dem Aktivismus angefangen. Ich begann, offen über mich selbst zu sprechen, meine Position zu verteidigen und mich für Frauen starkzumachen, die in der gleichen Situation stecken.

Uganda ist ein gefährlicher Ort zum Leben für LSBT-Menschen. Es gibt so viele Lesben, die als »Korrekturmaßnahme« vergewaltigt werden. Dazu gibt es aber keine Polizeiberichte oder Statistiken, es ist eine stille Form der Gewalt. Meistens wird das von Familienmitgliedern gemacht, die denken: »Das Mädchen hatte nie Sex mit einem Mann, deshalb hat sie sexuelle Gefühle gegenüber anderen Frauen.« Das hinterlässt Narben für ein

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