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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2019
Homosexualität und Kirche
Wo ist das Problem?
Der Inhalt:

Abheben!

von Britta Baas vom 26.07.2019
Wo wohnen Ihre Freunde? Haben Sie Verwandte im Ausland? Und können Sie Ihren Job machen, ohne zu fliegen? Das Flugzeug macht den Planeten zum Dorf. Und das ist gut so

Ja, Postkutschen sind im Rückblick eine romantische Sache. Kutschen waren vor 200 Jahren recht komfortabel – und so ziemlich das Schnellste, was es gab. Goethe reiste 57 Tage von Karlsbad nach Rom. Hätte er auf seinen Zwischenstopps nicht so lange herumgetrödelt, hätte er es auch in 16 Tagen geschafft. Das haben findige Leute errechnet. Für ihn aber hieß die Devise: Der Weg ist das Ziel. Der Mann wollte trödeln! Bei einem Schriftsteller zahlt sich das in Ideen und Texten aus.

Könnte man sich heute vorstellen, ähnlich langsam zu reisen? Ja! Es ist wieder im Trend. Die einen gehen zu Fuß durch Deutschland, die anderen radeln bis zum Kaukasus. Manche schreiben Bücher darüber, die zu Bestsellern werden. Die meisten Menschen aber reisen heute aus anderen Gründen und mit anderem Ziel. Viele wollen einfach schnell ankommen. Manche wollen es möglichst billig haben. Und wieder andere können sich gar nicht erst aussuchen, ob sie nun fliegen oder nicht: Der Job zwingt sie dazu. Die nächste Konferenz wartet schon, der nächste Deal. 244 Millionen Passagiere sind 2018 von deutschen Flughäfen gestartet oder sind dort gelandet. Vor zehn Jahren noch waren es nur die Hälfte.

Dass Fliegen so unverschämt billig sein kann, ist ein Problem. Der Staat verzichtet bei Auslandsflügen auf die Mehrwertsteuer, nicht aber beim Tanken und Bahnfahren. Eine Kerosinsteuer gibt es nicht, sehr wohl aber eine Mineralölsteuer. Städte befreien Fluggesellschaften von Gebühren, um ihre Flughäfen attraktiv zu halten. Touristinnen sollen kommen, Messebesucher. Ein Flughafen ist eine Jobmaschine. Fluggesellschaften wird deshalb der rote Teppich ausgerollt. Wer eine feine Nase hat, merkt allerdings, dass es dort nach Kerosin riecht und nach dem Schweiß der Mitarbeiter, die in einem auf maximalen Profit ausgelegten System oft zu kurz kommen.

Ich fliege trotzdem. Stinkt diese Entscheidung zum Himmel? Ich denke immer wieder darüber nach. Was bringt mich dazu, in ein Flugzeug zu steigen?

Manchmal ist es der Job. Vor allem aber sind es meine Freunde, meine Beziehungen in andere Teile der Welt. Ich fliege selten. Aber wenn ich es tue, dann weit. Auf Kurzstrecken bin ich nur aus triftigem Grund mit dem Flieger unterwegs. Im Herbst 2017 zum Beispiel hatte ein Sturm über Nacht sämtliche Bahnstrecken nach Berlin lahmgelegt. Dort aber waren ein Kollege und ich am folgenden Mittag zu einem Inte

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