Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2016
CETA, TTIP und TISA stoppen! Fairhandel statt Freihandel
Der Inhalt:

Wenn die Waschmaschine mitdenkt

von Barbara Tambour vom 22.07.2016
Ein intelligentes Stromnetz soll die Energiewende vorantreiben. Dazu braucht es digitale Stromzähler. Um sie wird gestritten

Es klingt wie eine Verschwörung: Da wird im Bundestag zu später Stunde am Abend des Brexit ein Gesetz beschlossen. Dieses Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende betrifft alle Haushalte. Denn in alle Häuser sollen künftig digitale Stromzähler eingebaut werden, die per Funk Daten übertragen. Doch kaum einer hat davon etwas mitbekommen. Zwischen Fußball-EM und Brexit-Unglauben wurde über die »digitale Zwangsbeglückung« und ihre möglichen Folgen so gut wie nichts berichtet. Der Großen Koalition wird es recht sein, hat sie doch in letzter Minute noch etliche Verschärfungen zulasten der Verbraucher durchgesetzt – gegen die Stimmen der Opposition. Doch bei aller Kritik an Einzelheiten – das Gesetz ist ein wesentlicher Baustein für das Gelingen der Energiewende.

Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien schwankt die Stromerzeugung je nach Wetter und Tageszeit. Wird viel Ökostrom produziert, werden heute Windkraftwerke abgeschaltet, weil Kohle- und Atomkraftwerke schon genügend Strom erzeugen. Um Stromerzeugung und Stromverbrauch aufeinander abzustimmen, müssen Stromproduzenten und Stromverbraucher miteinander vernetzt werden und miteinander kommunizieren können. Waschmaschinen können dann laufen, wenn viel erneuerbare Energie aus Wind und Sonne vorhanden ist. Kühlhäuser könnten dann runterkühlen, Elektroautos dann Strom tanken.

Digitale Stromzähler (Smart Meter) sind dazu nur der erste Schritt. Außerdem wird eine Kommunikationsstelle (Smart Meter Gateway) benötigt, die erkennt, wann viel Strom aus Wind und Sonne im Netz ist, um dann Stromverbraucher zu starten, bei denen es egal ist, wann sie laufen.

Es wird Strom aus konventionellen Kraftwerken gespart und stattdessen Strom aus erneuerbaren Energien verbraucht. Es werden dann keine Windräder mehr vom Netz genommen werden, wenn gleichzeitig die Sonne scheint. Jeder produzierte Ökostrom kann verbraucht werden. Ein intelligentes Stromnetz (Smart Grid) trägt also zur Einsparung von Kohlendioxid und radioaktiven Abfällen bei.

Verbraucherschützer bemängeln, dass die Verbraucher die Kosten für den Einbau der digitalen Stromzähler zu tragen haben, ohne vorerst einen Nutzen davon zu haben. Denn noch gibt es keine flexiblen Stromtarife, bei denen der Strom dann weniger kostet, wenn viel erneuerbare Energie vorhanden ist

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen