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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2016
CETA, TTIP und TISA stoppen! Fairhandel statt Freihandel
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Rettungsschwimmerin

Yusra Mardini (18) floh übers Mittelmeer aus Syrien. Als ihr Boot in Not geriet, zog sie es schwimmend an Land. Jetzt tritt sie bei der Olympiade an

Das Schlauchboot war für sechs Personen gedacht, doch es saßen zwanzig darin: Flüchtlinge, die übers Mittelmeer nach Europa wollten. An Bord auch die Schwestern Yusra (18) und Sarah Mardini (22) aus Damaskus, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen waren. Sie wollten so von der türkischen Küste zur Insel Lesbos gelangen.

Schon nach einer halben Stunde fiel der Außenmotor aus, das Boot drohte zu kentern. Da sprangen Yusra und Sarah und ein Mann ins Wasser. Sie waren die Einzigen, die schwimmen konnten. Gemeinsam zogen und schoben sie das Boot mit den 17 anderen durch das Mittelmeer, viele Stunden lang, bis sie völlig erschöpft, aber sicher, die Insel erreichten. »Es wäre eine Schande gewesen, wenn wir da nicht geholfen hätten«, sagt Yusra Mardini und lächelt. »Schließlich sind wir Schwimmerinnen.«

Schon in ihrer Heimat war die junge Syrerin mit dem wachen Mädchengesicht und der ruhigen Stimme Leistungsschwimmerin. Bereits mit 14 Jahren stellte sie den syrischen Landesrekord über 400 Meter Freistil auf. Ihr Vater war ihr Trainer gewesen, doch er musste vor zwei Jahren das vom Krieg gebeutelte Syrien verlassen, um als Schwimmlehrer in Jordanien den Unterhalt für die Familie zu verdienen.

Nach der Rettungsaktion im September flohen die Mardini-Schwestern weiter über die Balkanroute nach Deutschland und kamen nach Berlin. Ein ägyptischer Übersetzer in ihrer Flüchtlingsunterkunft brachte Yusra in Kontakt mit den Wasserfreunden Spandau 04, einem der ältesten Schwimmvereine der Hauptstadt. Dessen Trainer Sven Spannekrebs akzeptierte sie sofort für sein Team und begann mit ihr ein intensives Training. Zweimal täglich, morgens und nachmittags, kommt Yusra M