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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2015
Vergiftete Atmosphäre
Das Drama um die Braunkohle
Der Inhalt:

Was wächst denn da?

von Barbara Brüning vom 24.07.2015
Brennnessel, Giersch und Löwenzahn: Kann man alles essen. Eine Wildkräuterführung auf dem Frankfurter Hauptfriedhof

Mittwoch Abend: Auf den abgetretenen Stufen des neuen Portals des Frankfurter Hauptfriedhofs warten schon einige Frauen auf die Kräuterfrau Regine Ebert. Eine von ihnen ist die 31 Jahre alte Isabell Vögele. »Ich habe erst seit Kurzem einen Garten und möchte wissen, was man von den vielen Dingen, die dort wachsen, verwenden kann. Vielleicht zum Kochen oder gegen Husten«, sagt sie.

Damit geht es ihr ungefähr so wie mir. Außer einer Brennnesselsuppe, deren Rezept ich in einer Frauenzeitschrift gefunden hatte, sind meine Vorstellungen darüber, welche Kräuter wozu gut sein könnten, eher rudimentär.

Regine Ebert, eine schmale Frau mit schlohweißem Haar und Teilnehmerlisten in der Hand, kommt ein paar Minuten später. Seit elf Jahren ist sie als Kräuterfrau unterwegs, seit drei Jahren organisiert sie Führungen auf dem Frankfurter Hauptfriedhof: »Eine Frischluftoase mitten in der Stadt und eine echte Fundgrube für Kräuterfreunde«, sagt sie.

Die erste Pflanze, die wir auf dem Friedhof finden, kennen wir fast alle aus unsern eigenen Gärten: Es ist der Giersch, von vielen Gärtnern vergeblich als ein hartnäckiges Unkraut bekämpft.

»Dabei enthält der Giersch unglaublich viele Mineralstoffe«, schwärmt Regine Ebert: Magnesium, Kalium, Vitamin C; sein Eisengehalt ist etwa viermal so hoch wie der von Spinat. Der Volksmund nennt den Giersch auch Zipperleinskraut, denn er soll gegen Gicht wirken und Harnstoffe aus dem Körper spülen. Man kann ihn als Gemüse kochen, im Salat essen und als Tee trinken. Er wirke »sanft blutreinigend« und »entgiftend«. Nach dem Krieg habe er vermutlich viele Menschen vor dem Verhungern gerettet, die den nahrhaften Giersch wie Spinat als Gemüse gegessen haben, erfahren wir von der Kräuterfachfrau.

Giersch wuchert tatsächlich auch in meinem Garten. Isabell Vögele nickt mir verständnisvoll zu. Da haben wir doch schon gefunden, was wir suchen.

Wie gut, dass wir fast alle Handys mit Kameras dabei haben. Die meist unscheinbaren Pflänzchen werden von allen Seiten abgelichtet: Huflattich für den Tee bei chronischem Husten, das Weidenröschen gegen Harnwegserkrankungen, die indische Scheinerdbeere gegen Vergiftungen. Nicht fotografieren müssen wir die Brennnessel, die Eiche und den Holunder.

Auch der Löwenzahn wird von allen gleich erkannt. Dass er ursprünglich gar n

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