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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2012
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Meister der Details

vom 27.07.2012
Eine junge Berliner Firma baut auf die Stärken von Autisten

Sie sind hervorragende Beobachter, detailversessen und präzise, können sich lange konzentrieren und haben ein sehr gutes Gedächtnis. Doch trotz dieser Talente finden Menschen mit sogenanntem Asperger-Syndrom auf dem regulären Arbeitsmarkt nur schwer einen Job. Das junge Berliner Unternehmen auticon will das ändern und stellt ausschließlich Autisten als Software-Tester ein.

»Viele Asperger-Autisten sind ausgesprochen gut im logischen Denken«, sagt Dirk Müller-Remus, Geschäftsführer von auticon. »Es fällt ihnen jedoch schwer, soziale Situationen richtig zu deuten.« Sie könnten die Mimik und Gestik ihres Gegenübers oft nicht einordnen, Ironie nicht verstehen. Außerdem bereite es ihnen Probleme, mit Zeitdruck und Veränderungen umzugehen. Wichtig seien für sie daher Routine und klare Strukturen, betont der 58-Jährige. Um Autisten ein Arbeitsumfeld zu bieten, wo sie ihre Stärken ausleben können, hat Müller-Remus – selbst Vater eines autistischen Sohnes – Ende 2011 die Firma auticon gegründet.

Der Bundesverband Autismus Deutschland e. V. schätzt den Anteil der Asperger-Autisten an der Bevölkerung in Deutschland auf 0,3 Prozent, also nahezu 250 000 Betroffene. »Von ihnen sind Schätzungen zufolge nur knapp zwanzig Prozent auf dem ersten Arbeitsmarkt beschäftigt«, sagt Matthias Dalferth, Professor an der Fachhochschule Regensburg, der sich seit Jahren mit der beruflichen Situation von Autisten beschäftigt. Dalferth begrüßt den Ansatz von auticon, auch wenn dadurch nur ein kleiner Teil der Menschen mit Asperger-Syndrom angesprochen werde.

Bei auticon durchlaufen die Autisten ein spezielles Verfahren, das ihnen helfen soll, sich später auf dem freien Markt zurechtzufinden: Mittels Gespräch und Eignungstest werden passende Bewerber ausgewählt. Anschließend folgt eine zweimonatige Vorbereitungsphase, in der die Kandidaten ein international anerkanntes Zertifikat als Software-Tester erwerben. In dieser Zeit und auch während der Berufstätigkeit danach werden die Autisten von Job-Coaches unterstützt und begleitet.

Die ersten sechs Bewerber haben das Verfahren bereits durchlaufen und sollen ab August an IT-Firmen vermittelt werden. Auch die zweite Bewerbungsphase ist abgeschlossen: »Dieses Mal hatten wir 38 Bewerber«, sagt Müller-Remus, de

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