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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2012
Nicht aufgeben!
Was von Martin Luther zu lernen wäre
Der Inhalt:

Keine Flucht in die Arche

von Bernd Hans Göhrig vom 27.07.2012
Der politische Katholizismus starb nicht an der Postmoderne. Er lebt – unter neuem Namen. Eine Widerrede

»Flucht in die Arche« betitelte Britta Baas einen Artikel über das Verschwinden des politischen Katholizismus in Publik-Forum 11/2012. Verschwunden sei der politische Katholizismus aber gar nicht, meint der Geschäftsführer der Initiative Kirche von unten, Bernd Hans Göhrig. Er übt Kritik an der Position der Autorin.

Eine alte indianische Weisheit lautet: Ein totes Pferd kann man nicht reiten! Obwohl diese Tatsache einleuchtet, werden immer wieder gern Begriffe aus der Rumpelkammer der Geschichte abgestaubt und geistern hübsch aufpoliert herum: Neue Soziale Marktwirtschaft? Integralismus der Piusbrüder? Manchmal funktioniert das, meistens nicht.

Im Rückblick auf den Mannheimer Katholikentag ging Britta Baas der Frage nach, warum es »den politischen Katholizismus« früherer Jahre nicht mehr gebe: 1. Die Pluralität der postmodernen Welt lasse eine von oben verordnete Theologie und Praxis nicht mehr zu; 2. die heutzutage demokratisch sozialisierten Gläubigen seien mit der hierarchischen römischen Kirchenstruktur nicht mehr kompatibel. Die Folge: Orientierungslos schlingere diese Kirche in ihrer Arche vor sich hin.

Was ist dieser »politische Katholizismus«, dessen Ende hier diagnostiziert wird? Als seine Akteure nennt die Autorin Zentrum und CDU sowie das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und die deutschen Bischöfe. Ein seltsam verkürzter Politikbegriff also – denn er blendet einen wichtigen Strang politischen Handelns aus, zu dem ironischerweise seit nunmehr vierzig Jahren auch Publik-Forum gehört: die »Zivilgesellschaft« dieser Kirche.

Nach dem Ende des staatsprotestantischen Kaiserreichs etablierte sich in der Weimarer Republik ein Milieu alternativer Gruppen, die sich sozialistisch und pazifistisch orientierten: Friedensbund Deutscher Katholiken, Bund der katholischen Sozialisten, Friedrich Dessauer und Walter Dirks in der Rhein-Mainischen Volkszeitung in Frankfurt am Main, die linke Minderheit in der Zentrumspartei; auch der linke Flügel der katholischen Jugendbewegung im Quickborn und den Werkheften junger Katholiken verfolgte gesellschafts- und kirchenreformerische Ansätze.

Die Zeit des Nationalsozialismus schwächte dieses Milieu ungemein: Das rückgratlose Paktieren der Bischöfe führte zu einem Ris

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