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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2012
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Was von Martin Luther zu lernen wäre
Der Inhalt:

Das Wissen der Ixil

von Andreas Boueke vom 27.07.2012
Eine alternative Universität für ein Volk der Mayas

Es gibt Völker, die dazu verdammt zu sein scheinen, in den verborgenen Winkeln der Geschichte zu überleben. Im 15. Jahrhundert haben die Vorfahren des heutigen Mayavolkes der Ixil die grausamen Feldzüge des spanischen Eroberers Pedro de Alvarado im Hochland von Guatemala überlebt. Als in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts Soldaten der guatemaltekischen Armee mit einer Strategie der verbrannten Erde Dutzende ihrer Dörfer dem Erdboden gleichmachten, hat die Weltgemeinschaft davon nahezu keine Notiz genommen. Heute kommen viele internationale Nichtregierungsorganisationen in die Dörfer der Ixil, um Hilfsprojekte durchzuführen. Doch auch sie ignorieren häufig die Kultur und das Wissen dieses Volkes.

Noch liegt kalter Morgennebel über den Wäldern des guatemaltekischen Hochlands. Im Gemeinschaftssaal der Ortschaft Rio Azúl sitzen vierzehn junge Leute und zwei Dozenten auf langen Holzbänken. Einige haben sich in bunte, gewebte Wolldecken eingewickelt. Die hohen Wände der Halle haben große, offene Fenster, durch die nicht nur der kalte Wind bläst, sondern auch zwitschernde Vögel ein und aus fliegen. Aber davon lassen sich die jungen Leute nicht stören. Sie sind konzentriert bei der Sache.

Das Seminar zum Thema lokale Entwicklung ist Teil des Ausbildungsprogramms der vor zwei Jahren gegründeten Universität Ixil. Sie bietet eine kostenlose Alternative für junge Leute, die es sich nicht leisten können, an einem der teuren privaten Institute der Region zu studieren. Bisher hat die Universität Ixil Ableger in zwanzig verschiedenen Gemeinden gegründet. Sie hat keine eigenen Gebäude. Man trifft sich in privaten oder kommunalen Räumen.

Während des Seminars wird vorwiegend Ixil gesprochen, die Muttersprache der Studierenden. Der 23-jährige Sebastian Solis trägt ein Referat über das Problem der Müllentsorgung in Rio Azúl vor. Damit entspricht er der Philosophie der Universität, die wissenschaftlich fundierte Lösungsansätze für Probleme der Lebenssituation vor Ort erarbeiten will. »In der Sekundarschule sollte ich viel über die Geschichte Europas lernen«, erinnert sich Sebastian Solis. »Ehrlich gesagt habe ich davon nichts behalten. Wir kennen diese Länder nicht. Hier an der Universität Ixil erfahren wir etwas über unsere eigene Welt, die Welt, in der wir leben. Für mich ist es eine wertvolle Erfahrung, über meinen eigenen Lebensraum forschen zu können. Besonders int

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