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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2010
Es reicht!
Sieben Gebote für eine ethische Revolution des Finanzwesens
Der Inhalt:

»Gefühl von Freiheit«

von Jens Klein vom 23.07.2010
Outdoor-Artikel stehen für Abenteuer. Wie fair ist die Produktion? Fragen an André Hagel von der »Kampagne für saubere Kleidung«

? Herr Hagel, die Kampagne für saubere Kleidung hat die Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben 15 großer Outdoor-Unternehmen untersucht. Was kam dabei heraus?

! Die Branche ist sehr unterschiedlich. Es gibt bei den Outdoor-Herstellern Unternehmen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und sich auch praktisch zu mehr unternehmerischer Verantwortung für die Zustände in ihrer Lieferkette bekennen. Aber viele Missstände müssen noch behoben werden.

?Woran denken Sie da zum Beispiel?

! Schauen Sie sich die Arbeitsbedingungen in El Salvador an. Gerade für US-amerikanische Unternehmen wird dort viel hergestellt. Eine salvadorianische Näherin verdient monatlich 173 US-Dollar. Das ist dort der nationale Mindestlohn, der quer durch die Branche gezahlt wird. Eine Familie braucht zum Überleben aber das Mehrfache eines solchen Mindestlohns. Der reicht für eine würdige Existenz definitiv nicht.

? Bei welchen Herstellern herrschen denn solche Probleme?

! Sozialkriterien stellen etwa bei Patagonia noch ein Manko dar. Marmot kündigt die Audits, also die Kontrollen in den Zulieferbetrieben, jeweils an — ein objektives Bild der Arbeitsbedingungen dort wird man so schwerlich gewinnen können. Das deutsche Unternehmen Schöffel verzichtet vollständig auf Audits, darüber hinaus trifft es für die Mitbestimmung von Arbeiterinnen in Produktionsländern mit eingeschränktem oder gänzlich fehlendem Gewerkschaftsrecht keine Vorkehrungen. So sind natürlich der Ausbeutung von Arbeiterinnen Tür und Tor geöffnet.

? Nimmt die Outdoor-Branche da eine besondere Rolle ein?

! Keine Branche lebt so sehr von Gefühlen wie Freiheit, Abenteuer und der Naturerfahrung wie die Outdoor-Bekleidungsindustrie. Viele Konsumenten erwarten ganz selbstverständlich, dass die Kleidung unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt wird. Image und Realität klaffen hier noch auf schmerzhafte Weise auseinander.

? Reagieren die Hersteller irgendwie darauf?

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