Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2010
Es reicht!
Sieben Gebote für eine ethische Revolution des Finanzwesens
Der Inhalt:

Es reicht!

von Wolfgang Kessler vom 23.07.2010
Sieben Gebote für eine ethische Revolution des Finanzwesens

Wir schreiben den 25. September 2008. Zehn Tage ist es her, seit die Investmentbank Lehman Brothers zusammengebrochen ist. Im Deutschen Bundestag schreitet Bundesfinanzminister Peer Steinbrück zum Rednerpult. Sichtlich unter Schock warnt er vor den Veränderungen durch die Finanzkrise: »Niemand sollte sich täuschen: Die Welt wird nicht wieder so werden wie vor dieser Krise.«

Jetzt, knapp zwei Jahre später, ist die Finanzwelt drauf und dran, wieder so zu werden wie vor dem Super-GAU. In den ersten drei Monaten dieses Jahres kassierten allein die großen Banken Goldman Sachs, JP Morgan Chase und die Deutsche Bank 13,5 Milliarden Dollar an Gewinn. Das Casino brummt wieder.

Für die Politik ist diese Rückkehr zur angeblichen Normalität ein Offenbarungseid. Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht dies offen aus: »Wir hatten uns in der Stunde der Not vorgenommen, dass jedes Finanzprodukt, jeder Akteur und jeder Finanzplatz in Zukunft reguliert werden muss«, sagte sie unlängst dem Spiegel. »Das haben wir den Menschen versprochen. Aber dies sind wir ihnen noch schuldig.« Sie weiß offenbar, dass die Politik dabei ist, eine große Chance zu verpassen: nämlich jene, das Finanzsystem nach der Krise vom Kopf auf die Füße zu stellen und nach ethischen Maßstäben umzukrempeln.

Stattdessen lässt die Politik jene zerstörerischen Mechanismen weiterlaufen, die die Welt schon seit vierzig Jahren bedrohen: Seit Ende der 1960er-Jahre legen große Konzerne, Ölproduzenten, Pensionsfonds und Versicherungen ihr Geld zunehmend auf internationalen Banken außerhalb der nationalen Kontrolle an. Auf sage und schreibe 75 000 Milliarden Dollar summierten sich nach Informationen der Neuen Zürcher Zeitung die internationalen Geldanlagen Anfang dieses Jahrtausends. 5500 Milliarden Dollar sollen durch die Finanzkrise verbrannt worden sein. Inzwischen ist jedoch schon wieder so viel Kapital unterwegs wie vor dem Crash.

Noch immer regiert die alte Ideologie des Wirtschaftsliberalismus aus den 1980er-Jahren. Ihr Credo: Der freie Markt weiß am besten, wo das Geld den größten Nutzen stiftet. Dieses Credo hat eine Revolution auf den Finanzmärkten eingeleitet. Das traditionelle Geschäft der Banken

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen