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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2010
Es reicht!
Sieben Gebote für eine ethische Revolution des Finanzwesens
Der Inhalt:

Die Weltheilerin

von Maja D. Schellhorn vom 23.07.2010
Joanna Macy zeigt der Wachstumsgesellschaft den Ausweg aus ihrer Tretmühle. Dafür reist sie rund um den Globus

Du bist nicht zufällig auf der Welt. Du bist hier, um dich um die Erde zu kümmern. Es ist gut, dass du hier bist.« Joanna Macy eröffnet ihren Workshop in Lindenberg im Allgäu an einem warmen Sommertag. Ihre Wort sind sehr bedacht gewählt, und nicht selten korrigiert sie ihren Übersetzer aus dem Englischen in lupenreinem Deutsch. Ihre Rede hat Anklänge an ein Mantra – oder an eine amerikanische Form der Predigt. Bei ihren Großvätern, die Prediger waren, hat sie alles über die Wirkung von Worten gelernt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz »Inseln im Chaos« stimmt sie so auf den Ernst ihres Anliegens ein: die Erde zu heilen, den »großen Wandel« von der Wachstumsgesellschaft zu einer überlebensfähigen Welt Wirklichkeit werden zu lassen. Es ist ihr Lebensthema.

Rund zweihundert Menschen sind gekommen, zwischen null und neunzig Jahren alt. Was sie in Lindenberg zusammenführt, ist die Sorge um den Zustand der Welt. Sie suchen Antworten auf die globale ökologische Krise. Wo könnte man als Einzelner eingreifen? Es geht um nichts weniger als das große Ganze.

Die 81-jährige US-Amerikanerin ist emeritierte Professorin; ihr Herz schlägt für die Tiefenökologie. Die unterscheidet sich von der herkömmlichen Ökologie dadurch, dass sie nicht darum kreist, welchen Vorteil der Mensch davon hat, Umweltprobleme zu lösen. Es geht stattdessen um das »Lebenwesen Erde«, um das, was alle mit allem verbindet.

Macy könnte sich eigentlich zur Ruhe setzen, ihr Zuhause in Berkeley, Kalifornien, genießen und mit den Enkelkindern spielen. Doch sie reist um die Welt, um die Welt zu heilen, leitet Workshops, stiftet Menschen zu Fantasien an: »Sprecht mit den Wesen der Zukunft, lasst euch von ihnen Hinweise geben, was ihr tun müsst, um den großen Wandel zu schaffen!«

In Lindenberg nestelt sie clownesk am Mikrofon ihres Headsets, das schon zum vierten Mal nach oben gerutscht ist, und schimpft: »Ich fühle mich hier wie ein Pferd im Geschirr!« Der Saal lacht, und alle verstehen: Ein falsches Pathos wird es bei ihr nicht geben.

Religionswissenschaften und Systemtheorie hat Macy gelehrt. Seit rund vier Jahrzehnten ist sie auf allen Kontinenten unterwegs, um mit Leidenschaft die Weisheit uralter Traditionen, die Erkenntnisse neuester Wissenschaften und die Erfahrungen sozial-ökologischer Bewegungen für die Erhaltung des Lebens zu erforschen

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