Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2010
Es reicht!
Sieben Gebote für eine ethische Revolution des Finanzwesens
Der Inhalt:

»Besondere Tragik«

von Hartmut Meesmann vom 23.07.2010
War der Rücktritt der Hamburger Bischöfin Maria Jepsen wirklich nötig? Selbst Missbrauchsopfer bezweifeln das

Strukturprobleme. Mit diesem Wort sind die Geschehnisse um den Ahrensburger Pastor K. Ende der 1990er-Jahre wohl am ehesten zu charakterisieren, die zum Rücktritt der Hamburger Bischöfin Maria Jepsen am vergangenen Freitag geführt haben. Kritiker der weltweit ersten lutherischen Bischöfin, die ihr Amt vor 18 Jahren antrat, begrüßen ihren Rücktritt. Jepsen trage die Verantwortung dafür, dass der Pastor aus dem Kreis Storman nach seiner Versetzung wegen sexueller Übergriffe im Jahr 1999 weiter in der Seelsorge tätig sein konnte, heißt es.

Die Verteidiger der Bischöfin halten dem entgegen, dass Jepsen jetzt den Kopf hinhalten müsse für die Versäumnisse anderer. Der Rücktritt der beliebten Bischöfin sei nicht unbedingt nötig gewesen, findet sogar die Betroffenen-Initiative Missbrauch in Ahrensburg. Jepsen habe den Fehler gemacht, den Opfern nicht zu sagen, dass sie gar nicht zuständig sei. Denn: Die Bischöfin war nicht befugt, Versetzungen vorzunehmen oder Disziplinarverfahren einzuleiten. Dafür waren der zuständige Propst beziehungsweise die Pröpstin und in zweiter Instanz der Personaldezernent zuständig.

Maria Jepsen hatte die Vorwürfe gegenüber dem Ahrensburger Pfarrer zwar registriert, hatte aber wohl nicht mit dem gehörigen Nachdruck für Aufklärung gesorgt und war wohl auch nicht umfassend informiert worden. Die Schwester eines Opfers hatte die Bischöfin nach einer Veranstaltung eher beiläufig auf die Taten des Pfarrers angesprochen. Dass es um sexuellen Missbrauch ging, war Jepsen nach eigener Auskunft damals nicht klar gewesen. Sie habe eine außereheliche Affäre vermutet. Heute kann sie sich an die Einzelheiten dieses Gesprächs nicht mehr erinnern, über das inzwischen eine eidesstattliche Erklärung der Informantin vorliegt.

Die vorgesetzte Pröpstin hatte den Pastor zwar versetzt und Maria Jepsen darüber auch informiert. Doch auch die Pröpstin räumt heute ein, dass das Wort »Missbrauch« damals nicht gefallen sei. Der gesamte Vorgang scheint von den zuständigen kirchlichen Instanzen letztlich nicht wirklich aufgeklärt und bis ins Detail verfolgt worden zu sein – so wie das damals vielerorts der Fall war, leider. Es gab keinerlei Ermittlungen, weder kirchliche noch staatliche.

»Es steht außer Zweifel, dass damals Fehler gemacht worden sind«, räumt Bischof Gerhard Ulrich, der Vorsitzende der nordelbischen Kirche

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen