Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2010
Es reicht!
Sieben Gebote für eine ethische Revolution des Finanzwesens
Der Inhalt:

Nichts bleibt, wie es war

von Johannes Kopp vom 23.07.2010
Christen auf dem Zen-Weg erleben kein »religionsfreies Zen«. Sie können vielmehr ihren Glauben neu erfahren

Wenn die Zen-Praxis die Konfessionen und Religionen übersteigen soll, wie es der Benediktinerpater Willigis Jäger fordert, bedeutet das dann nicht den Abschied vom Christentum? Die umfassende »Christuswirklichkeit« nicht wirklich ernst zu nehmen, das wirft der christliche Zen-Meister und katholische Ordensmann Johannes Kopp seinem Kollegen vor.

Als vor dreißig Jahren eine Schmähschrift über den Zen-Pater Hugo Enomiya Lassalle erschien und ich ihn fragte, was er dazu sage, antwortete er: »Er hat geschickt zusammengetragen, was gegen mich spricht.« Nun frage ich mich, was er wohl zu dem sagen würde, was Willigis Jäger schreibt: »Selbst in den Sesshins in Kamakura zog er sich jeden Tag in eine Ecke des Zentrums zurück, um ganz allein für sich die Heilige Messe zu lesen. Er hat seinen Glauben nie überstiegen.« Lassalle hätte womöglich eine Weile geschwiegen, die Augen geschlossen und mit einer ihm typischen Geste gesagt: »Es geht nicht darum, den Glauben zu übersteigen, sondern ihn zu erfahren, zu leben und zu bezeugen.«

Warum Willigis Jäger von einer »Ecke des Zentrums« spricht, wo Lassalle »ganz allein für sich« die Heilige Messe gelesen habe, ist mir ein Rätsel. In jedem Sesshin, das ich in der Zeit als Zen-Schüler zwischen 1974 und 1985 und auch noch danach erlebte, wurde mit mehreren Teilnehmern – heutigen Zen-Lehrerinnen und -Lehrern – im oberen Raum des zweistöckigen Meditationshauses Eucharistie gefeiert, während aus dem Erdgeschoss die Rezitation der buddhistischen Sutren als wundervolle Begleitung erklang.

Als ich mich im Januar 1975 – nach meinem ersten halbjährigen Japanaufenthalt – von Yamada-Roshi verabschiedete, sagte dieser: »Wenn Sie weiter meditieren, werden Sie ein besserer Priester.« Yamada-Roshi begleitete viele Christen, darunter auch Priester und Ordensleute, in der visionären Hoffnung, dass Christen ihr Potenzial zum Frieden und zum Weiterleben der Menschheit auf dem Weg ihrer eigenen Glaubenserfahrung einbringen. Konversionen zum Buddhismus hat er nicht gefördert. Keiner seiner christlichen Schüler konnte in der Weise seiner Führung die Erwartung bemerken, dass sie ihren Glauben »übersteigen« sollten im Sinne eines »religionsfreien Zen«.

Wenn von »Übersteigen« die Rede sein soll, dann eher im Sinne eines Übersteigens der gegenständlichen hin zu einer ungegenständlichen Realisierung der Christuswirklichkeit, die für Chris

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen