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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2020
Der Gott von gestern
Warum die Kirchen in der Krise sprachlos sind
Der Inhalt:

Ein Jahr lang aufatmen können

von Constanze Bandowski vom 10.07.2020
Die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte hilft Menschenrechtlern

Ihr Engagement gegen religiöse Fanatiker auf den Malediven hat Shahindha Ismail ins Visier radikal-islamischer Gruppen gerückt. Der Gründerin des Maldivian Democracy Network drohen jahrelange Haftstrafen. Ähnlich ergeht es Bischof Antonio Ablon von den Philippinen. Da er sich für die Belange der indigenen Bevölkerung einsetzt, taucht sein Name auf Mordlisten der Regierung auf. Nun leben Ismail und Ablon dank der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte für ein Jahr in Deutschland. Die Stiftung bietet Menschen wie ihnen, die in ihrer Heimat wegen ihres Einsatzes für Menschenrechte und Meinungsfreiheit verfolgt werden, Stipendien an. Jedes Jahr ermöglicht sie bis zu sechs Gästen, sich von den Strapazen und Todesängsten in ihren Herkunftsländern zu erholen.

Alles begann vor 34 Jahren. Der SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi, einstiger Bürgermeister der Hansestadt, gründete die Stiftung 1986. Seitdem hat sie an der Elbe Gäste aus aller Welt willkommen geheißen. »Wir sind keine Flüchtlingsorganisation«, erklärt Geschäftsführerin Martina Bäurle. »Wir vergeben Auszeitstipendien mit der Idee, dass politisch aktive und verfolgte Menschen in Hamburg etwas Kraft, Mut und Hoffnung schöpfen können. Das ist etwas anderes als Exil.«

Die 57-jährige Philologin ist froh über die Unterstützung der Stadt, die der Stiftung Räume zur Verfügung stellt und jedes Jahr die Kosten für drei Stipendien übernimmt. Alle weiteren Kosten, rund 130 000 Euro pro Jahr, muss Bäurle über Spenden akquirieren – damit die Ausgaben für Flüge, Visum und Miete genauso abgedeckt sind wie Ausflüge und der Blumenstrauß zur Begrüßung am Flughafen.

Außerdem organisiert die Stiftung Vorträge, Lesungen, Ausstellungen oder andere Veranstaltungen, auf denen die Stiftungsgäste über sich und die Situation in ihren Heimatländern berichten. Auch Lehrkräfte können sich an sie wenden, die Gäste kommen gerne auch in Schulklassen. Ihr Aufenthalt in Hamburg ist weder Urlaub noch Dauerlösung: »Das sind Menschen, die sich entschieden haben, für ihr Land und ihre Sache zu kämpfen und sich gegen Unrecht, Korruption und Missstände zu engagieren. Das werden sie nach ihrer Rückkehr in die Heimat fortsetzen.«

Die diesjährigen Stiftungsgäste aus Ägypten und dem Iran, Tansania und den Philippinen, die im Frühjahr in Hamburg ankommen sollten, konnte

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