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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2019
Raus aus der Angst!
Kirchentag 2019. Worauf man vertrauen kann
Der Inhalt:

Modi, der Unnahbare

Narendra Modi liebt die große Bühne. Er ist ein charismatischer Redner und brillanter Rhetoriker. Er spricht ohne Teleprompter oder Redemanuskript. Über das Pogrom von Gujarat 2002 – als er dort Ministerpräsident war – und dessen Opfer schweigt er allerdings seit Jahren.

Die Persönlichkeit Narendra Modis hat schon viele Psychologen, Soziologen und Journalisten beschäftigt. Wenigen ist es gelungen, längere Interviews mit ihm zu führen und Einblick in seinen Alltag zu bekommen. Die meisten beschreiben ihn als einsamen, unnahbaren Workaholic, der enge menschliche Kontakte scheut. Sein Tag beginnt um fünf Uhr morgens mit Yoga. Er isst kein Fleisch, trinkt keinen Alkohol, lebt ohne Lebensgefährtin. Zu seiner Mutter und seinen Geschwistern pflegt er so gut wie keinen Kontakt.

Aufgewachsen ist Modi in der Kleinstadt Vadnagar im Bundesstaat Gujarat. Anders als viele Spitzenfunktionäre der Hindutva-Bewegung kommt er nicht aus einer höheren Kaste, sondern gehört zu den »sozial benachteiligten Kasten«. Mit sechs Jahren half er bereits seinem Vater, der Tee an Zugreisende verkaufte. In seiner frühen Jugend wurde er begeistertes Mitglied in der radikal-hinduistischen Kaderorganisation RSS. Schnell wurde er einer der Anführer seiner lokalen Einheit. Als »Pracharak« und Propagandist zog er durch die Dörfer Gujarats, um neue Mitglieder zu rekrutieren. 1971 ging er in die RSS-Zentrale nach Nagpur und wurde 1987 schließlich Mitglied der BJP, der heutigen Regierungspartei.

1992 führte der Psychologe und politische Essayist Ashis Nandy eines der ersten Interviews mit Modi. »Ich fand ihn gefährlich, vor allem wegen seiner fast paranoiden Vorstellungen über die Muslime«, schrieb er. »Modi ha