Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2019
Raus aus der Angst!
Kirchentag 2019. Worauf man vertrauen kann
Der Inhalt:

Dortmund gegen Rechts

In dieser Stadt gibt es Orte, die verstören. Orte, die zu Abgründen führen. Zum Beispiel das Mahnmal für die Opfer des NSU an der Steinwache. Davor sitzt ein etwa zehnjähriger Junge. »Warum wurde Mehmet Kubasik getötet?«, fragt er

Kommt man hier ins Internet? Am Platz der Alten Synagoge in Dortmund hält ein Mann sein Mobiltelefon hoch. An dieser Stelle, mitten in der Innenstadt, soll gleich der Stadtrundgang zu Orten des Rechtsextremismus beginnen. Der Platz liegt einige Meter tiefer als die nahe Hansastraße, der Hiltropwall und der Stadtgarten gleich gegenüber. Da könnte es mit dem Empfang schwierig werden. Sekunden später zieht der Mann seinen Arm erschrocken zurück. Er kann ins Netz. Aber was ihm sein Mobiltelefon als Zugang anbietet, macht ihn fassungslos: den »Deutschen Reichshotspot«.

Rechtsextremismus ist überall. Das ist das Lehrstück gleich zu Beginn des Rundgangs. Wo Dortmunder Bürger im Jahr 1938 die Synagoge abrissen – noch vor der sogenannten Reichskristallnacht –, wo heute das Opernhaus und ein Gedenkstein in Erinnerung an die Synagoge stehen, wähnen Rechtsextreme im Jahr 2019 ihr Hoheitsgebiet. Die Botschaft ist klar: Hier haben wir gesiegt. Dieser Platz gehört uns. Wie viel Dortmund gehört ihnen noch?

2003 gründeten die Autonomen Nationalisten von Berlin aus eine Zelle in Dortmund. Sie traf auf eine gewaltbereite Borussenfront aus der Fußballszene. Heute ist die Stadt ein Hotspot der rechten Bewegung. Hier fand der achte von neun rassistisch motivierten Morden des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) statt. Mehmet Kubasik wurde am 4. April 2006 in seinem Kiosk erschossen. In Erinnerung an diesen Mord und das Versagen der Ermittlungsbehörden hat das Schauspielhaus während des Kirchentags die »NSU-Monologe« auf die Bühne gebracht. Man hört noch einmal die ganze Verzweiflung der Angehörigen. Sie hatten sich 2011 einer trügerisch