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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2018
Die geheimnisvolle Kraft der Kreativität
Der Inhalt:

Eine Lanze für die Ökumene

Der Ökumenische Weltrat der Kirchen feierte in Genf seinen siebzigsten Geburtstag. Stargast war ein Katholik: Papst Franziskus

Außer Spesen nichts gewesen. So wertete mancher Beobachter den Besuch von Papst Franziskus beim Ökumenischen Weltrat der Kirchen (ÖRK) in Genf. Der Rat, weltweit aktiver Zusammenschluss der Kirchen der Reformation, hatte am 21. Juni anlässlich seines siebzigjährigen Jubiläums das Oberhaupt jener weltweit agierenden Organisation eingeladen, die nicht im Rat vertreten ist: den Papst. Er kam – und stahl allen die Show.

Am Ende der als »ökumenische Pilgerreise« deklarierten Visite hielt er einen katholischen Gottesdienst. Wie bei einem Popkonzert jubelten mehr als 30 000 papstbegeisterte Gläubige frenetisch, als der Mann in Weiß in die riesige Palexpo-Messehalle in Genf einrollte. Zu Kommunionempfang hatte Alain de Raemy, Weihbischof des Bistums Lausanne-Genf-Fribourg, »alle unsere christlichen Brüder und Schwestern herzlich willkommen« geheißen. Kein Wort davon, dass gemäß lehramtlichem Verständnis nur Katholiken zur Eucharistiefeier eingeladen sein konnten. Nichts war davon zu hören, dass die fehlende Abendmahlsgemeinschaft eine offene Wunde der Ökumene ist. Die Genfer Ehrengäste vom ÖRK – in der ersten Reihe – blieben denn auch auf ihren Stühlen sitzen, während viele andere Christinnen und Christen mit einem Glänzen in den Augen zur Kommunion schritten.

Auch wenn von römischer Seite in Genf theologisch nichts Neues in Sachen Ökumene zu hören war, so konnte man dem Besuch des Papstes doch mehr abgewinnen, als die Skeptiker meinten. In der Kommunioneinladung etwa konnte man eine ungezwungene Art und Weise sehen, Gemeinschaft möglich zu machen – jenseits römischer Papiere. Ein starkes Zeichen gelebter Ökumene, notabene im Beisein des Papstes. Dessen