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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2017
Wem gehört die Welt?
Einblicke in die Machtverhältnisse des globalen Kapitalismus
Der Inhalt:

Kolumne Von Fabian Vogt: Frischluft-Theologie

Endlich mal wieder Männerkreis. Wir sitzen entspannt auf der Terrasse, meditieren über dem Rotwein, der sanft in unseren Gläsern rotiert, und genießen die laue Luft des Sommerabends. Keiner sagt was. Warum auch? Es ist ja alles gut.

Irgendwann durchbricht Rainers bewegte Stimme die Stille: »Wenn ich so in den Himmel schaue, die Vögel zwitschern höre und den Wind auf der Haut spüre, dann verstehe ich, warum sich Menschen in der Natur Gott besonders nah fühlen.«

Alle brummen zustimmend. Und Bernd fügt selig hinzu: »Wie sagte schon der alte Goethe: ›Wer die Natur als göttliches Organ leugnen will, der leugne nur gleich alle Offenbarung.‹ Recht hat er. Und wie!« Erneut geht ein wohlig einvernehmliches Raunen durch die Runde. Alle heben ihre Rotweinkelche und prosten sich zu.

Dieter beugt sich vor: »Also, ich finde: In der Natur kann man auch viel besser beten als im Gottesdienst. Bäume, Wiesen und Rehkitze: Da weht einen der Atem Gottes doch deutlich intensiver an als in düsteren Kirchengemäuern. Im Wald, versteht ihr, da atmet die Liturgie des Lebens, im Freien, nicht in irgendwelchen sonntäglichen Wechselgesängen, die kein Mensch mehr versteht. Ihr singt da ja echt jeden Sonntag ein Zeug. Was hör ich im Gottesdienst ständig: ›Alfred hat nun ein Ende ...‹«

Ich stelle mein Weinglas ab. »Es heißt: ›All’ Fehd’‹ hat nun ein Ende.«

»Egal, versteht auch keiner mehr. Aber die Natur, die lädt ganz unmittelbar zur Auseinandersetzung mit Gott ein. Herrlich.«

Ein bisschen gehässig frage ich: »Mal Hand aufs Herz: Wer von euch hat denn mal richtig intensiv in der Natur gebetet, weil er sich dort von Gott so berührt fühlte?«

Alle starren hilflos auf ihre Hände oder checken ihre Mails. Es ist wieder ganz still.

»Seht ihr. Natur ist was Tolles, aber … Wartet mal …« Ich suche schnell mit meinem Smartphone ein Zitat, das ich vor Kurzem gelesen habe. »Moment … genau hier … Martin Luther hat sehr pointiert geschrieben: ›Gott ist in allen Kreaturen, im Stein, im Feuer, im Wasser, er will aber nicht, dass du überall nach ihm tappst. Sondern, wo das Wort ist, da tappe nach, so ergreifst du ihn recht …‹

Versteht ihr? Ja, die Natur verweist auf Gott, aber was nützt ein Wegweiser, wenn ich gar nicht genau weiß, wonach ich suche? Man muss zum B

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