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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2014
Wie kommt Gott ins Gehirn?
Die Erkenntnisse der Wissenschaft
Der Inhalt:

Zwischen den Welten

von Bettina Röder vom 11.07.2014
Kirchentag in Leipzig: Feiern, wo es kaum noch Christen gibt. Wie kommt das an in der Stadt und bei den Teilnehmern selbst?

Kirchentag hier in der Stadt? Wollen Sie da hin?« René Schulz schüttelt heftig den Kopf. »Nee, beim besten Willen nicht«, sagt der Bratwurstverkäufer an der Grimmaschen Straße in Leipzig. »Ich bin Angestellter und stehe hier von morgens bis abends. Da will ich sonntags, wenn ich hingehen könnte, mal meine Ruhe haben.« Er hat alle Hände voll zu tun, Menschen strömen vorbei, steuern im Nieselregen die schicken Geschäfte an. In Sichtweite am Markt sitzen unter großen grünen Schirmen mit der Reklame für das einheimische Bier die Kirchentagsteilnehmer auf Bänken. Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), spricht vom Wirken der Christen in der Welt.

Knapp 10 000 Menschen sind laut Veranstalter an diesem letzten Juniwochen ende in die Messestadt gekommen, das deutschlandweite Chortreffen findet gleichzeitig statt. Es wird gesungen und musiziert, keine großen Namen, Gespräche beherrschen das Treffen. Es geht um Gerechtigkeit, Frieden, Umweltbewahrung, aber auch um die Reformation. Was aber ist das Besondere an diesem Kirchentag? Und wie reagieren die Menschen in der Stadt, von denen gerade mal noch 15 Prozent zur Kirche gehören?

In einer der Gesprächsrunden zum Thema Freiheit und Gerechtigkeit sitzt der Leiter des örtlichen Polizeireviers Thomas Kretzschmar. Er fällt auf. Nicht nur, weil er Uniform trägt. Er ist der Einzige in der Runde, der nichts mit der Kirche am Hut hat. Sein Vater war auch schon in der DDR Polizist. Da schien eine Kirchenmitgliedschaft wie von einem anderen Stern. Doch Berührungsängste hat er nicht.

Der Polizist, Mitte vierzig, ist auf Ein ladung des Polizeiseelsorgers Stephan Bickhardt hier, den er schätzt. Und weil ihn das Thema interessiert: Recht und Gerechtigkeit im Rechtsstaat. Dann aber, im Gespräch mit Publik-Forum, kommt er darauf zu sprechen, was ihn in diesen Tagen bewegt. Ein junger Kollege und Familienvater ist schwer erkrankt. Da sei er in die Kirche gegangen und habe »ein Kerzchen angezündet und ein kleines Stoßgebet zum Himmel gesandt«, sagt er fast ein wenig verschämt. Dass der Polizeiseelsorger für ihn und seine kirchenfernen Kollegen so etwas wie ein »Mittler zwischen den Welten« ist, daraus macht er keinen Hehl.

Auch bei diesem Treffen wurde deutlich: Der Kirche stehen die meisten Menschen in Ostdeutschlan

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