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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2014
Wie kommt Gott ins Gehirn?
Die Erkenntnisse der Wissenschaft
Der Inhalt:

»Einfach, prophetisch und frei«

von Thomas Schmidt vom 11.07.2014
Papst Franziskus fordert eine »arme Kirche für die Armen«. Doch die Kirche kann diesen hohen Anspruch nur einlösen, wenn sie mit dem Wachstumssystem und dem Staat bricht. Ein Plädoyer

Mit seinem Schreiben »Evangelii Gaudium« lädt Papst Franziskus zu einer neuen Etappe der Evangelisierung ein, die der »armen Kirche für die Armen« Geist und Gesicht geben soll. Er schreibt von einer Kirche »im Aufbruch«. Interessanterweise immer in Anführungszeichen. Warum eigentlich? Es wird in der Tat nicht ganz deutlich, ob er den Aufbruch sieht oder ihn sich eher wünscht.

Kirche im Aufbruch. Ich möchte – ohne Anführungszeichen – das Schwergewicht in den Bruch vom Aufbruch legen. Als Konsequenz aus »Evangelii Gaudium« sollte die Kirche drei Brüche vorantreiben.

Bruch mit dem Wachstumsdogma

Ein einfacher Blick in die Wirtschaftsteile der Zeitungen oder besonders das Hören eines Berichtes von der Frankfurter Börse zeigt, um was es der Wirtschaft in erster Linie geht: um Wachstum! Das ist natürlich keine moralische Frage, sondern eine systemische. Die kapitalistische Marktwirtschaft ist ohne Wachstum nicht möglich. Die Wirtschaft muss sich bewegen, und das immer schneller. Das einfache Bild des Fahrrads, das bei Stillstand umfällt, ist noch immer gültig.

Wir sitzen alle in der Wachstumsfalle: Ökonomen, Politiker, Gewerkschaften, Betriebsräte. Ich habe das selbst viele Jahre erlebt: Als Betriebsräte waren wir immer froh, wenn die Zahlen gut waren, besser noch: gestiegen sind und die Pläne, die ja immer auf Zuwachs setzten, erfüllt wurden. Das machte die Arbeitsplätze sicherer, und vielleicht gab es sogar etwas zu verteilen. Auch die Kirchen profitieren vom Wachstum. Das Kirchensteueraufkommen hängt an der Lohnsteuer, die an den Löhnen, und die hängen am Wachstum.

Das wird auf ewig so nicht gutgehen. Die Preise, die zu zahlen sind, werden deutlicher: Zur Kasse gebeten werden die Umwelt, die Beschäftigten durch psychische Erkrankungen und die Abgehängten, der Müll, wie Papst Franziskus sagt.

Und wir werden nicht glücklicher! In England hat sich von 1973 bis 2009 das Bruttoinlandsprodukt verdoppelt, das Glücksempfinden der Menschen blieb gleich. Die Debatte um einen anderen Wachstumsbegriff hat begonnen.

Andere Produktionsweisen werden gesucht: Suffizienz, Kreislauf, Reparatur, gemeinschaftliche, lokale Produktion sind die Stichworte und die möglichen Elemente einer Postwachstumsökonomie.

Eine arme Kirche für die Armen bricht mit dem

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