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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2013
"Wir brauchen einen toleranten Islam"
Malis höchster Iman Mahmoud Dicko kämpft für seine Vision
Der Inhalt:

Stark durch Gütekraft

von Miriam Mahler vom 12.07.2013
Wie lassen sich auf friedliche Weise Konflikte lösen? Der Essener Friedensforscher Martin Arnold zeigt einen Weg

Herr Arnold, Sie haben eine tausend Seiten starke Studie mit dem Titel »Gütekraft« veröffentlicht. Was steckt hinter diesem Begriff?

Martin Arnold: Die Erfahrung, dass es möglich ist, mit Aktivitäten nicht nur Freunde, sondern Gegner dazu zu bringen, von Gewalt oder Unrecht abzulassen, ohne ihnen mit Drohungen zu begegnen.

Was sind das für Aktivitäten?

Arnold: Anderen mit Wohlwollen begegnen. Mit Mut und Beharrlichkeit die gerechte Sache vertreten, ohne zu verletzen, auch nicht durch Worte oder Herabsetzung. Und zugleich darauf gefasst sein, dass andere verletzend gegen einen selbst handeln. Wer das weiß, kann sich darauf vorbereiten, nicht zurückzuschlagen, sondern ihnen weiter wohlwollend entgegenzutreten. Das kann so deutlich geschehen, dass die anderen angeregt werden, auch wohlwollend und gerecht zu reagieren.

Das klingt nach »aktiver Gewaltfreiheit« – ist Gütekraft alter Wein in neuen Schläuchen?

Arnold: Meine Forschung hat ergeben, dass es keineswegs das wichtigste Element für den Erfolg ist, keine Gewalt anzuwenden.

Sondern?

Arnold: Das Wichtigste ist, nach eigenen Möglichkeiten zu suchen: Wo bin ich an dem, was ich ablehne, beteiligt? Wer eigene Anteile an einem Missstand gefunden hat, kann selbst etwas tun, nämlich diese Anteile abbauen. Das gibt ein Stück Macht: Wirksam, kraftvoll ist nicht einfach der Appell an andere. Erst wenn Menschen selber tätig werden für mehr Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit, ist das ansteckend. Ein weiteres Element ist, frühzeitig wohlwollend mit den anderen am Missstand Beteiligten Kontakt aufzunehmen, um sie ebenfalls zur Änderung ihres Handelns zu bewegen. Wichtig ist, nicht im Widerstand zu verharren, sondern positive Dinge nach vorn zu bringen, um andere durch konstruktives Vorangehen zu gewinnen.

Das klingt alles sehr lieb.

Arnold: Das ist auch »lieb«, aber nicht nur! In dieser Weise zu streiten, wenn man es mit Gegnern zu tun hat, die einem wirklich schaden wollen, kann hart sein.

Dann noch mit Wohlwollen zu reagieren ist ziemlich viel verlangt.

Arnold: Es verlangt ja niemand. Es ist nur einfach stärker,

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