Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2013
"Wir brauchen einen toleranten Islam"
Malis höchster Iman Mahmoud Dicko kämpft für seine Vision
Der Inhalt:

»Mann, werd’ doch Lehrer«

von Thomas Gesterkamp vom 12.07.2013
An den Grundschulen fehlen männliche Lehrende. Mit ungewöhnlichen Mitteln versuchen Initiativen das zu ändern

Dass Kinder öffentlich protestieren, kommt eher selten vor. Doch den Grundschülern aus Wipperfürth im Bergischen Land war ihr Anliegen wichtig. »Mann, werd’ Lehrer!« stand auf den selbst gestalteten Plakaten, die die Viertklässler in den Gymnasien und Gesamtschulen der Umgebung aufhängten. Die Arbeitsgruppe Mentos – Abkürzung für »Men to school«, Männer an die Schulen – wollte Abiturienten, aber auch Betriebspraktikanten in der neunten oder zehnten Klasse für den Beruf des Grundschullehrers motivieren. Anlass für die Aktion: Der einzige männliche Lehrer hatte angekündigt, die Grundschule zu verlassen. »Wir haben nichts dagegen, von Frauen unterrichtet zu werden«, erläuterte ein beteiligter Schüler. Aber »ein Mann kann uns Jungs besser verstehen, wenn wir mal Mist gebaut haben«.

Der Anteil der männlichen Lehrer in der Primarstufe ist in den letzten drei Jahrzehnten von vierzig auf zwölf Prozent gesunken. Die noch niedrigere Zahl männlicher Studienanfänger signalisiert keine Trendwende. An mehreren Hochschulen laufen deshalb Projekte, die mehr Männer gewinnen wollen. Die Universität Bremen zum Beispiel vermittelt unter dem Titel »Rent a teacherman« männliche Studierende an die Schulen. »Im Bremer Durchschnitt unterrichten 1,3 männliche Lehrer pro Grundschule«, sagt Projektleiter Christoph Fantini vom Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften. Die Verteilung sei aber sehr unterschiedlich. »Es gibt in Bremen Schulen mit fünf männlichen Lehrkräften, es gibt aber auch 15 Schulen, an denen kein einziger Mann unterrichtet.«

Fantini begann, die Teilnehmer seiner Seminare an solche »männerfreien« Grundschulen zu schicken. »Rent a teacherman« läuft seit Herbst 2011 erfolgreich, acht Lehramtsstudenten sind zurzeit »ausgeliehen«. Finanziert wird das Projekt über Honorarmittel der Senatorin für Bildung und Wissenschaft.

»Weder Jungen noch Mädchen sollten in Kindergarten und Grundschule den Eindruck bekommen, dass es ausschließlich Frauensache ist, sich um kleinere Kinder professionell zu kümmern«, betont Fantini. Jungen brauchen männliche Vorbilder auch außerhalb der Familie; Mädchen brauchen Männer ebenso, als das andersgeschlechtliche Gegenüber: Das klingt banal, wird in der Fachdiskussion aber zum Teil vernachlässigt oder gar geleugnet. Feministisch orientierte Forscherinnen warnen vor Rollenstereotypen, der Ruf nach mehr Männern wird sc

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen