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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2013
"Wir brauchen einen toleranten Islam"
Malis höchster Iman Mahmoud Dicko kämpft für seine Vision
Der Inhalt:

Rawiyas Glück

von Claudia Mende vom 12.07.2013
Vor 25 Jahren hat die Schweizerin Evelyne Porret eine Töpferschule eingerichtet und ein ägyptisches Dorf für immer verändert

Schnurgerade führt die Straße bis an den Horizont. Bis auf einige einsame Telefonmasten gibt es hier nur Leere, steinige Wüste, die nichts Heimeliges hat. Im Minibus fahren wir in Richtung Halboase Fayoum, die etwa eine Autostunde südwestlich von Kairo liegt. Endlich raus aus dem Moloch Kairo, diesem Hexenkessel mit seiner Aufgeregtheit, den flirrenden Gerüchten und hysterischen Debatten. Raus aus dem gnadenlosen Straßenverkehr und der Luft, die so verpestet ist, dass der Atem flach wird.

Der voll besetzte Minibus rumpelt die kaum befahrene Asphaltstraße entlang. Nach einer Weile wird die Wüste buschiger, grüner. Es gibt erste Sträucher, dann tauchen rechts und links der Straße Felder auf. Reisfelder und von Palmen gesäumte Gemüsegärten. Fayoum ist eine lang gestreckte Oase mitten in der Wüste, die durch den jahrtausendealten Bahr-Yussuf-Kanal mit Wasser aus dem Nil versorgt wird. Ihre saftigen Felder und die Obstplantagen zwischen wogenden Dattelpalmen machen Fayoum zu einem beliebten Ausflugsziel für die gestressten Bewohner von Kairo. Fellachen, so heißen die ägyptischen Bauern, ziehen mit ihren Wasserbüffeln von der Feldarbeit nach Hause. Die Bauern brauchen die Wasserbüffel auch heute noch, um den fruchtbaren Boden zu pflügen. Auf ihrem Rücken schaukeln lachende Bauernkinder und winken. Mit Futterklee hoch beladene Esel trotten nebenher. Das Leben, so scheint es, verläuft hier in seinem ewig gleichen Rhythmus. Die politischen Unruhen, der Aufbruch, der die Gesellschaft erfasst hat, all das scheint auf den ersten Blick weit weg zu sein.

Tunis heißt das kleine Dorf am Rande des salzhaltigen und fischreichen Qarun-Sees. Kaum jemand kennt Tunis in Ägypten, dabei ist es ein ungewöhnliches Dorf. Ein Hort der Künstler und Individualisten, ein Dorf für Menschen, die eingefahrene Bahnen verlassen und etwas Ungewöhnliches aus ihrem Leben machen.

Rawiya Abdel Kader steht in ihrer Werkstatt, die in einer versandeten Seitenstraße des Dorfes liegt. Vor ihr liegt ein großer Klumpen Lehm auf einer Töpferscheibe, die leise vor sich hin surrt. Ihre Hände ziehen die schwere, braune Erde in Form. Aus einem unförmigen Klumpen entsteht bald eine vollendete Kanne. Man hört das Lärmen spielender Kinder draußen vor der Tür. Gelegentlich knattert ein Mofa vorbei. Aber Rawiyas Aufmerksamkeit gilt allein dem Lehm, der ihren Händen gehorcht. Mit einer gekonnten Bewegung von Daumen und Z

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