Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2013
"Wir brauchen einen toleranten Islam"
Malis höchster Iman Mahmoud Dicko kämpft für seine Vision
Der Inhalt:

Klingende Luft

von Brigitte Neumann vom 12.07.2013
Zu den ersten Erinnerungen, die unser Körper speichert, gehört Musik. In der modernen Medizin kann sie überall dort helfen, wo Menschen sich sprachlos und verlassen fühlen

Musik ist mehr als ein Himmel voller Geigen, eine Ahnung vom Paradies oder – Freud hat das so empfunden – bedrohlicher Sirenenklang. Musik war bis ins 16. Jahrhundert hinein ein obligatorischer Teil der Medizin, die damals noch als Heilkunst angewandt wurde. Das Ziel: die geistige und seelische Harmonie des von innerer Unordnung befallenen Kranken wiederherzustellen. Auch in der modernen Medizin gewinnt Musiktherapie wieder an Relevanz. Und zwar überall dort, wo es um unsagbare Gefühle oder um sprachliche Handicaps geht: In der Therapie von Autisten, Traumatisierten, Schlaganfallpatienten, Menschen im Koma und Kleinkindern. Aber auch Manager üben in speziellen Musikcoachings, bessere Ergebnisse zu erzielen, indem sie auf andere hören.

Rund 3000 Musiktherapeuten arbeiten in Deutschland. Für die meisten ist das Studium eine Zusatzqualifikation wie für den Mediziner Gert Hünmann, Onkologe am Hamburger Universitätsklinikum (UKE). Er studiert Musiktherapie, weil er bei seinen Patienten beobachtet hat, wie es nach der Diagnose Krebs »zu einer Sprachlosigkeit kommt, einem Gefühl der Verlassenheit. Sie gehen sich in dieser schwierigen Situation einfach verloren. Niemand im Krankenhaus fängt sie auf. Denn meist geht es dort nur um die medizinischen Aspekte, um die Symptomatik«. Neben Hünmann sitzt Maya Schneider. Auch sie ist Studentin der Musiktherapie an der Hochschule für Musik und Theater in der Hamburger Milchstraße; ihr Hauptberuf: Heilpädagogin am UKE. Sie arbeitet meist mit zu früh Geborenen. »In der Musiktherapie mit Kindern erlebe ich täglich, wie sie Reifeprozesse nachholen, zum Beispiel in der Sprache. Das läuft über Rhythmus und Takt, alles Erlebnisse, die die Kinder schon im Mutterleib hatten, die ihnen dort Sicherheit gaben und die in einer zu frühen Geburt zu früh abgebrochen wurden.«

Hünmanns und Schneiders Ausbilder heißt Hans-Helmut Decker-Voigt. Der 67-Jährige, inzwischen emeritierter Professor, ist in der Musiktherapie sozusagen ein Mann der ersten Stunde. Er engagierte sich erfolgreich dafür, Musiktherapie als das erste nichtärztliche gesundheitswissenschaftliche Fach aus dem künstlerischen Bereich mit Vollstudiengängen und Vollprofessur zu etablieren. Andere künstlerische Therapien, wie die Mal-, die Tanz- und die Schreibtherapie, sind nicht so anerkannt. Hans-Helmut Decker-Voigt über die Gründ

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen