Kirche kauft Bank
Der große Theologe Dietrich Bonhoeffer würde sich im Grabe umdrehen, wenn er hörte, was der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, vorhat: Während Bonhoeffer in den 1920er-Jahren die Kirche aufforderte, all ihr Eigentum an die Notleidenden zu verschenken, steht Welby mit seiner Church of England einem Konsortium vor, das 316 notleidende Zweigstellen der Royal Bank of Scotland übernehmen will. Auch viele Christen von heute werden darüber den Kopf schütteln, doch Welbys Vorstoß ist bemerkenswert. Denn der Erzbischof versucht nicht mehr und nicht weniger als die Idee einer Ethik des Geldes in der realen Wirtschaft durchzusetzen.
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Bischof gegen Banker
Vor wenigen Monaten hat Erzbischof Justin Welby den Banker Stephen Hester, damals Chef der
Royal Bank of Scotland
, scharf angegriffen. Hester hatte die Entlassung von 39 000 Beschäftigten damit gerechtfertigt, dass er für die Aktionäre arbeite und Steuern zahle. Darauf antwortet Welby, das sei »Mutterschaft und Apfelkuchen« – eine englische Wendung für Selbstverständlichkeiten. Ethik bedeute, mehr zu tun als nur die Pflicht und das, was das Gesetz erwarte. Er forderte Gefängnis für Banker, die sich des Fehlverhaltens schuldig gemacht haben. Hester ist inzwischen von seinem Posten zurückgetreten – gegen eine Abfindung von 1,6 Millionen Pfund.
