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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2013
"Wir brauchen einen toleranten Islam"
Malis höchster Iman Mahmoud Dicko kämpft für seine Vision
Der Inhalt:

Geistiger Krieg

von Thomas Seiterich vom 12.07.2013
Die Welt der Muslime ist von einer heftigen Auseinandersetzung geprägt: Ein aufgeklärter
und toleranter Glaube steht gegen ein totalitäres Verständnis der Religion

Der Islam »kann«. Er kann durchaus Moderne. Dies zeigen die vielen Beispiele eines differenzierten und aufgeklärten Islams. Dieser ist gegenüber der Koran-Tradition und der Überlieferung nicht naiv und unkritisch. Sein geistiger Horizont ist weit. Er kennt zum Beispiel die historisch-kritischen Methoden der Bibelauslegung, wie sie westliche Christen praktizieren. Dieser aufgeklärte Islam blüht vor allem in der westlichen Welt im Dialog mit Religionsphilosophen und Theologen anderer Religionen.

Schwer hat es dieser aufgeschlossene Islam jedoch in den mehrheitlich islamischen Staaten. Etwa im größten islamischen Land, in der derzeit so tief zerrissenen 90-Millionen-Nation Ägypten. Dort wurden aufgeschlossene Theologen wegen ihrer Ansichten per Fatwa für vogelfrei erklärt und von fanatisierten Muslimen ermordet. Den berühmtesten Koran-Ausleger der letzten Generation, Nasr Hamed Abu Zaid (1943-2010), trieben diese Fanatiker ins Ausland. Zaid, der auf die Bedeutung des gesellschaftlichen Kontextes bei der Entstehung des Korans achtete, fand Exil in den Niederlanden. Abu Zaids Ehefrau, die Romanistin Ibtihal Yunis, schied ein Scharia-Gericht zwangsweise von ihrem Ehemann. Aufgrund dieser Verfolgung floh auch Yunis nach Holland.

Jede Religion hat ihre eigenen Fallstricke. Beim Islam liegen diese vor allem in dem zur Intoleranz neigenden Grundgedanken der »Umma«, der totalitären Gemeinschaft der Gläubigen. Der Prophet Mohammed hatte, nach vielen wechselvollen Kämpfen gegen »Ungläubige«, gegen Ende seines Lebens solch eine Umma geschaffen: ein islamisch geeintes Volk.

Seit rund 14 Jahrhunderten halten die Muslime den Wunschgedanken dieser Umma hoch. Doch diese Leitvorstellung der religiös-islamischen Volksgemeinschaft ist für viele Nichtmuslime eine große Bedrohung. Denn sie bietet keinen gleichberechtigten Raum für Andersgläubige und Religionslose. Jeder Nichtmuslim ist in islamisch dominierten Gesellschaften Arabiens wie auch in Afghanistan und Pakistan eine Person minderen Ranges. Andersgläubige haben dort, wo Islamisten regieren, nur eingeschränkte Rechte. Es existiert keine echte Religionsfreiheit.

Das erdrückende System der völkischen Umma verglich der ägyptisch-deutsche Religionsphilosoph Hamed Abdel-Samad im Juni mit dem völkischen Denken des Faschismus. Er tat dies ausgerechnet bei einem Vortrag in Kairo. Diese Meinung öffentlich zu vert

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