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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2013
"Wir brauchen einen toleranten Islam"
Malis höchster Iman Mahmoud Dicko kämpft für seine Vision
Der Inhalt:

Alte Dame mit Krallen

von Toni Keppeler, Cecibel Romero vom 12.07.2013
El Salvadors Gesundheitsministerin María Isabel Rodríguez
ist 90 Jahre alt. Sie legt sich mit den Agrochemiekonzernen an

Im Schatzkästchen persönlicher Erinnerungen bewahrt María Isabel Rodríguez ein Foto auf, das sie an der Seite von Fidel Castro zeigt. Der 1,90 Meter große kubanische Staats- und Parteichef legt der 1,57 Meter kleinen Frau mit der großen Brille den linken Arm um die Schulter, in der Hand eine brennende Zigarre. »Es ist das Foto von Fidels letzter Zigarre«, sagt sie und kichert. An jenem Abend in Havanna, im Juli 1986, habe sie ihm gesagt, er solle die Finger vom Tabak lassen. Er hat das Rauchen tatsächlich aufgegeben.

Seit 2006 ist Castro Politrentner. María Isabel Rodríguez aber ist vier Jahre älter als er und Gesundheitsministerin von El Salvador. Im November wird sie 91 und hat noch immer ein Arbeitspensum, das ihre um Jahrzehnte jüngere Sprecherin María Teresa Escalona stöhnen lässt. »Selbst auf die Cocktailempfänge am Abend geht sie noch!«

Rodríguez ist die erste Frau an der Spitze des Gesundheitsministeriums ihres Landes. Sie war schon immer die erste Frau: 1949 die erste, die an der medizinischen Fakultät der Nationaluniversität von El Salvador promovierte. Später war sie die erste Dekanin dieser Fakultät.

Ein Jahr noch, sagt sie. Dann ist die Regierungsperiode vorbei und dann sei Schluss. Dieses letzte Jahr will sie nutzen und die giftigsten Pestizide verbieten lassen. Allen voran Paraquat, das in El Salvador unter dem Markennamen Gramoxone geläufig ist, hergestellt vom Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta. Rodríguez ist davon überzeugt, dass dieses Herbizid zusammen mit weiteren wie dem Entlaubungsmittel 2,4-D am Tod Tausender Campesinos mitschuldig ist. Und wenn diese Frau von etwas überzeugt ist, dann setzt sie sich dafür ein, ganz. »Ich werde die Bauern mit meinen Krallen verteidigen«, sagt sie und zeigt ihre Fingernägel. Die sind genauso knallrot wie ihre Lippen, ein Markenzeichen der alten Dame.

María Isabel Rodríguez war ihr Leben lang in der Forschung tätig: angetrieben von einer fast kindlichen Neugierde, einem eisernen Willen und tiefem sozialem Empfinden. In dem Nierenfacharzt Carlos Orantes hat sie einen Wissenschaftler gefunden, der genauso hartnäckig ist wie sie. Er hat nun den Auftrag, den Ursachen des in Mittelamerika häufigen, oft tödlichen chronischen Nierenversagens auf den Grund zu gehen. Sie i

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