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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2012
Satte Geschäfte
Wie Spekulanten Hunger machen
Der Inhalt:

Keine Rede von Verfall

von Norbert Copray vom 04.07.2012
Den Jugendlichen und Familien geht es besser, als viele unken

Martin Dornes Die Modernisierung der Seele Kind – Familie – Gesellschaft. Fischer 19405. 528 Seiten. 12,99 €

Der Zeitgeist ist nervös. Und die Nervosität steigt. Nicht nur an den Börsen und in der Politik. Auch in den Familien, in der Gesellschaft generell – und in den Medien. Ständig wird das Fieber neu gemessen, Alarm gegeben oder gar die Katastrophe ausgerufen. Davon leben die Medien mit ihrem Blick auf die Verkaufszahlen. Und die Experten.

Mit wohltuender Sachlichkeit klärt der Psychoanalytiker Martin Dornes »Die Modernisierung der Seele«: Voraussetzungen, Verläufe, Zwischenstände und Folgen. Im Dreieck von Kind, Familie und Gesellschaft leistet er eine hervorragende Bestandsaufnahme. Er analysiert vermeintliche Analysen, die eher marktschreierische Fieberanzeigen sind. Er untersucht behauptete Trends, die sich als nicht belastbar entpuppen. Und er bürstet angebliche Diagnosen gegen den Strich, die alles Mögliche – von Reizüberflutung bis Beschleunigung, von Internetkonsum bis Werteverfall – für bedrohlich oder krankhaft oder beides halten.

Dabei nimmt er unter die Lupe: die heutige Kindheit; die Situation der Erwachsenen; die neuen Freiheiten von der Selbstverwirklichung bis zur Selbsterfindung; die Adoleszenz und den damit einhergehenden Autoritätsverlust samt Erziehungsproblemen; die veränderte Integration in die Gesellschaft; den Wandel der Erziehung und die Folgen für das Entstehen einer postheroischen Persönlichkeit; das Verhältnis von kulturellem und psychischem Wandel; und schließlich die Frage: »Haben psychische Krankheiten zugenommen?«

Fünf Jahre lang hat Dornes zu diesen Themen, die für ihn den Komplex der Modernisierung der Seele ausmachen, geforscht. Dafür konnte der Sozialwissenschaftler, Entwicklungspsychologe und Gruppenanalytiker als Mitglied im Leitungsgremium des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main auf einen reichhaltigen Fundus an Forschungsergebnissen, Vergleichsstudien und Reflexionen zurückgreifen.

Dornes kommt zu dem Urteil: Von Journalisten, Erziehungsexperten, Eltern, Politikern und Trendforschern geäußerte Befürchtungen zur Situation der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen sind »überwiegend unbegründet«, in der Darstellung oft reißerisch überzogen und werden damit den tatsächlichen Sachverhalten meist ni

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