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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2012
Satte Geschäfte
Wie Spekulanten Hunger machen
Der Inhalt:

Das Lächeln in den Bäumen

von Ingrid Kölle vom 04.07.2012
Die Botschaften der Vorfahren. Heute gehören über tausend Neuseeländer zu den Moriori, und die Kunst der Baumschnitzerei ist auf den Chatham Islands zu neuem Leben erweckt worden

In Bäume geschnitzte Strichfiguren, sogenannte Dendroglyphen, sind der größte Kulturschatz der Moriori. Die ersten Siedler der Chatham Islands, einer zu Neuseeland gehörigen Inselgruppe, wurden im 19. Jahrhundert fast völlig ausgerottet. Nachdem jetzt auch ihr kultureller Nachlass zu verfallen drohte, haben Wissenschaftler damit begonnen, die Baumschnitzereien mithilfe moderner Technologie zu archivieren.

»Auf den Inseln verbleiben nur ihre Dendroglyphen, stumme Erinnerungen an die Kultur eines fast vergessenen Volkes.« So beendete Christina Jefferson ihre Studie über die Dendroglyphen auf den Chatham Islands, die 1955 in der Fachzeitschrift »Journal of the Polynesian Society« veröffentlicht wurde. Die damalige Anthropologiestudentin kopierte im Verlauf mehrerer Jahre in mühseliger Arbeit die in Bäume geschnitzten Kunstwerke der Moriori, fertigte über 400 Zeichnungen und Fotografien von ihnen an.

Der Archäologe Ian Barber von der Otago University im neuseeländischen Dunedin setzt heute die Studien über die Dendroglyphen fort. Herzchen in Bäume zu ritzen und sich namentlich darin zu verewigen ist nichts Ungewöhnliches, bestätigt er. Aber die Moriori haben dies als Kunstform praktiziert. Sie schnitzten Vögel und Fische, Bäume und Werkzeuge in die Stämme, vor allem aber freundlich lächelnde Figuren mit ausgebreiteten Armen, oft in Menschengröße. Barber deutet auf ein Bild in seinem Rechner. »In der Schnitzerei hier haben wir das typische herzförmige Gesicht mit den nach oben gerichteten Armen und offenen Händen mit drei Fingern. Darunter sind die im Hocksitz angewinkelten Beine.« Diese oft auch als Hocker-Stil bezeichnete Form der Darstellung des menschlichen Körpers gilt als charakteristisch für die polynesische Kunst.

Anthropologen gehen heute davon aus, dass die Moriori polynesischer Herkunft sind und sich vor etwa 500 Jahren auf den Chatham Islands niedergelassen haben. Sie passten ihre Lebensweise dem rauen Klima der Chathams an und entwickelten ihre eigene Kultur und Sprache. Mehrere Jahrhunderte lang waren sie die einzigen Bewohner der 800 Kilometer östlich der Südinsel von Neuseeland gelegenen Inselgruppe. 1791 erfolgte der erste Kontakt mit Europäern. Eingeschleppte Krankheiten führten bereits zu einer ersten Verringerung der Anzahl der einheimischen Bewohner. Als dann aber 1835 kriegerische Maori von Neuseeland aus auf der Inselg

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