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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2012
Satte Geschäfte
Wie Spekulanten Hunger machen
Der Inhalt:

»Die Ärzte sind angefixt«

von Eva-Maria Lerch vom 04.07.2012
Lassen sich Mediziner von Pharmaunternehmen bestechen? Fragen an den kritischen Hausarzt Eckhard Schreiber-Weber

? Herr Schreiber-Weber, haben Sie selbst als Arzt schon mal Bestechungsversuche erlebt?

! Als ich einmal eine Pharmavertreterin in meiner Praxis abgewiesen habe, erwiderte sie: »Aber Herr Doktor, ich hätte da eine schöne Reise nach Dresden für Sie!«

? Der Bundesgerichtshof hat soeben entschieden, dass Ärzte weiterhin Geld und Geschenke von Pharmaunternehmen annehmen dürfen. Was sagen Sie zu diesem Urteil?

! Das Vertrauen der Patienten zu ihren Ärzten wird darunter leiden. Wenn Mediziner sich ungestraft von den Herstellern für die Verordnung bestimmter Medikamente bezahlen lassen dürfen, fragen sich die Patienten zu Recht, ob ihr Hausarzt wirklich die bewährtesten Pillen für sie aufschreibt.

? Wie kommt ein solches Urteil zustande?

! Der Bundesgerichtshof (BGH) ist davon ausgegangen, dass Ärzte keine Beauftragten der Krankenkassen sind und deshalb keine Bestechung vorliegt. In der Realität sind Kassenärzte aber natürlich Beauftragte der Krankenkassen. Der BGH hat den Gesetzgeber deshalb auch aufgefordert, hier für rechtliche Klarheit zu sorgen. Und die kann nur heißen: Auch Ärztekorruption ist strafbar. Die Bestechung von Ärzten könnte aber auch einfach von ihnen selbst unterbunden werden: Die Berufsordnungen unserer Landesärztekammern verbieten das klar. Man muss dem nur Geltung verschaffen, das hätte längst geschehen müssen.

? Gemeinsam mit anderen kritischen Ärzten haben Sie den Verein MEZIS gegründet.

! MEZIS steht für »Mein Essen zahl ich selbst«. Die meisten Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte werden nämlich von Medikamentenherstellern bezahlt – einschließlich des anschließenden Abendessens. Dafür erwarten die, natürlich unausgesprochen, Gegenleistungen. Wir MEZIS-Ärzte bezahlen unser Essen selbst und besuchen möglichst pharmafreie Fortbildungen. Wir empfangen keine Pharmavertreter in der Praxis und nehmen keine Arzneimittelmuster oder Geschenke an.

? Inzwischen haben sich Ihnen über 350 Ärzte angeschlossen. Was will die Initiative erreichen?

! Wir wollen dafü

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