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Dr. Karin am Himalaya

von Agnes Steinbauer vom 10.07.2009
Mit ihrer mobilen Zahnstation zieht die Münchnerin einmal im Jahr durch die steinigen Täler im »Land der Mönche«

Diesen Zahn hier nehme ich jetzt und zermalme ihn auf einem Felsen«, ruft Dolma und bekräftigt ihr Vorhaben mit lautem Händeklatschen. Die dunklen Augen der kleinen, energischen Frau aus dem Nubra-Tal im Himalaya blitzen triumphierend. Sie hat einen langjährigen Feind besiegt. Ihr kaputter Weisheitszahn liegt blutig im Spucknapf. Unschädlich gemacht hat ihn »Dr. Karin«. In den folgenden Wochen wird die Zahnärztin aus Deutschland noch vielen Ladakhis auf den Zahn fühlen. Für den Hilfsverein Kinder des Himalaya tauscht Karin Streit einmal im Jahr ihre komfortablen Behandlungsräume in der Münchner Innenstadt gegen eine »Open-Air-Praxis« zwischen 7000 Meter hohen Bergriesen. Unentgeltlich zieht sie dann mehrere Monate lang mit ihrer mobilen Zahnstation durch die steinigen Täler im »Land der Mönche«, wie das buddhistisch geprägte Ladakh wegen seiner geografischen und spirituellen Nähe zu Tibet genannt wird. Es ist die nördlichste Provinz Indiens im Bundesstaat Jammu-Kaschmir und gehört mit seinen bis zu 3500 Metern über dem Meeresspiegel zu den höchstgelegenen Regionen der Erde. Im Winter können die Temperaturen auf minus vierzig Grad Celsius sinken. Das ist zum Zähneziehen eindeutig zu kalt. Die »Dental Camps«, die der Verein Kinder des Himalaya mit Partnern vor Ort organisiert, finden nur in den Sommermonaten statt. Dieses Jahr war »Dr. Karins« erster Einsatzort Sumoor und Umgebung, ein Dorf im Nubra-Tal nahe der tibetischen Grenze. Dolma, die Wirtin des Lhargyal-Gästehauses, gehörte zu ihren ersten Patientinnen.

Um die Bewohner der Region Nubra behandeln zu können, hat sich die Zahnärztin von der Hauptstadt Leh aus auf den Weg gemacht. Auf dem Motorrad überquerte sie den Khardong-La, den mit fast 6000 Metern höchsten befahrbaren Pass der Welt. Dort oben ist der Himmel ganz nah und die Luft so schwindelerregend dünn, dass Menschen, die nicht daran gewöhnt sind, nach einem kurzen Fotostopp möglichst schnell weiterfahren, wenn sie können, denn die streikenden Dieselmotoren der überladenen Lastwagen sorgen oft für kilometerlange Staus. In solchen Fällen kann auch »His Holyness«, der Dalai Lama, der häufig von der Frontseite der Trucks herunterlächelt, nicht helfen, allenfalls für buddhistische Gleichmut werben. Aber irgendwann geht es immer weiter - in Serpentinen abwärts, zu den Oasen des Nubra-Tals. Dort blühen wilde Rosen und Geranien in allen Farben - in bizarrem Kontrast zum unendlichen Felsenmeer des Himalaya. »Dr. Karins« F

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