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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2019
Was ist heilig?
Der Inhalt:

Versäumnisse, Notlügen und ein fatales Ende

Kino. Auf der nächtlichen Nachhausefahrt muss der Gerichtsmediziner Dr. Nariman einem drängelnden Auto ausweichen. Dabei bringt er ein Motorrad, auf dem eine vierköpfige Familie unterwegs ist, zum Sturz. Nariman bietet dem Familienvater Geld für die Schäden an dem Fahrzeug und untersucht dessen leicht verletzten achtjährigen Jungen. Sein dringender Rat, ins Krankenhaus zu fahren, wird von dem ungeduldigen Moosa ignoriert. Am nächsten Tag erfährt Nariman, dass Moosas Sohn gestorben ist – angeblich an einer Fleischvergiftung. Der Arzt, der niemandem von dem Vorfall erzählt hat, verrennt sich zunehmend in Schuldgefühle. Wenn doch der Unfall die eigentliche Todesursache war? Auch Moosa, ein einfacher Arbeiter, fühlt sich schuldig; schließlich hat er seinem Sohn verdorbenes Fleisch gegeben. Aufgebracht will er den Verkäufer des Gammelfleischs zur Rede stellen. Zug um Zug entwickelt sich dieses iranische Drama zur packenden Parabel über Notlügen, Versäumnisse und ein allgegenwärtiges sich Durchmogeln, das in ein fatales Ende mündet. In seiner Erforschung der moralischen Fallstricke ist der eindringliche Film so präzise wie Nariman bei seinen Autopsien. In wenigen, perfekten Strichen wird zugleich die Malaise einer von herrischen Männern dominierten Gesellschaft skizziert, deren Klima von unterdrückter Wut und Anspannung vergiftet ist.