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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2019
Was ist heilig?
Der Inhalt:

Antisemitische Polemik gegen Heiko Maas

von Michael Blume vom 21.06.2019
Eine Karikatur aus dem Iran zeigt, wie antisemitische, hasserfüllte Verschwörungstheoretiker an einer Wahnwelt bauen

Als Bundesaußenminister Heiko Maas zu Gesprächen in den Iran aufbrach, fragten mich einige, was ich davon hielte, dass Deutschland ein Regime hofiere, das die Zerstörung Israels zum Ziel habe. Doch das war noch nichts im Vergleich zur Ratlosigkeit nach dem Erscheinen einer antisemitischen Karikatur in der den iranischen Revolutionsgarden nahestehenden Zeitung Jawan. Darin wird der Sozialdemokrat nicht nur mit einer blauen Davidstern-Brille als zionistisch markiert, sondern gleichzeitig mit Hakenkreuzbinde, Hitlerbart und -gruß als Nationalsozialist verhöhnt, das Ganze wird komplettiert durch eine Krawatte in den Nationalfarben der USA.

Nun werden deutsche Politiker in extremen Blättern immer wieder als vermeintliche Nazis vorgeführt. Was jedoch hier verstörte, war die offene Verschränkung von Antisemitismus, antideutschen Ressentiments und Antiamerikanismus. Wurde hier von einem staatsnahen, iranischen Organ ernsthaft behauptet, bundesdeutsche Politik diene gleichzeitig Israel, den USA und den Nazis?

Die Antwort darauf ist: Ja. Dabei ist, was Jawan abbildete, keineswegs eine extreme Randmeinung in der islamischen Geisteswelt, sondern ein unter Arabern, Persern und einigen Türken, unter westlichen Links- und Rechtsextremen sowie vereinzelt auch unter ultraorthodoxen Juden verbreiteter, antisemitischer Verschwörungsmythos, der dieses Jahr auch wieder bei der antisemitischen Al-Quds-Demonstration in Berlin aufgeführt wurde. Demnach hätten Zionisten für die Staatsgründung Israels gemeinsam mit den Nazis den Holocaust inszeniert, um Widerstände unter Juden und Nichtjuden zu brechen.

Als Ausgangspunkt dieses antisemitischen Verschwörungsmythos gilt die frühe Praxis von Nationalsozialisten, Jüdinnen und Juden Ausreise-Visa nach Palästina sowie von britischer Seite geforderte Bescheinigungen auszustellen gegen hohe »Steuern« und »Gebühren«. Das sogenannte Ha’avara-Abkommen von 1933 zwischen dem reichsdeutschen Wirtschaftsministerium und zionistischen Verbänden hatte dazu »Transfers« von Geldern und Gütern »geregelt«. Doch ging es keineswegs um eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, sondern um räuberische Erpressung. Hitler selbst hatte bereits in seiner Münchner Rede »Warum wir Antisemiten sind« von 1920 vor dem noch gar nicht gegründeten »Zionistenstaat« gewarnt, der doch nur »die letzte internationale Hochschule i

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