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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2017
Im Herzen die Freiheit
Iran: Reise in ein Land der Widersprüche
Der Inhalt:

Wir sind doch die Bösen

Menschen im Knast sind unsichtbar – und das ist gewollt. Gefängnisseelsorger wollen das ändern

Sonntagmorgen kurz vor neun. Rund hundert Männer unterschiedlichen Alters werden von Vollzugsbeamten in die Gefängniskirche der Haftanstalt Berlin-Moabit zum Gottesdienst geführt. Der ist, abwechselnd katholisch oder evangelisch, vielen Knackis, wie sich die Insassen selbst nennen, wichtig. In Moabit leben Häftlinge aus vielen Kulturen und Religionen auf engstem Raum. Seit rund einem Jahr besuchen auch Imame regelmäßig die Berliner Gefängnisse und halten die Freitagsgebete ab. In Moabit nehmen rund zwanzig Gefangene daran teil. Einige kommen sogar am Sonntag auch in die Kapelle. Jeder Gottesdienst ist eine Abwechslung, eine Auszeit aus dem tristen Alltag. An diesem Sonntag besonders, denn es sind Journalisten und Kirchentagsbesucher »von draußen« dabei. Man singt »Lobe den Herren«, hört die Predigt und stellt Kerzen für besondere Anliegen auf. »Menschen im Knast werden nicht gesehen«, sagt der evangelische Pfarrer Thomas-Dietrich Lehmann in seiner Predigt. Viele nicken.

Die Mauern sind hoch, obendrauf noch Stacheldraht, die Fenster vergittert: Gut so, sagen die da draußen, denn mit Häftlingen wollen sie nichts zu tun haben. Kaum jemand weiß, wie die Menschen hier drinnen leben. Selbst Freunde und Familienangehörige ziehen sich zurück. Beziehungen zerbrechen, Suizide sind keine Seltenheit. »Deutschlandweit sind derzeit 60 000 Menschen inhaftiert«, erzählt Lehmann. »Menschen hinter Gefängnismauern werden auch nicht von Kirchen und Christen wahrgenommen, oder nur ganz selten«, sagt er – und das ärgert ihn. Deshalb hat er zusammen mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern auf dem Kirchentag eine Art »Reformation des Strafvollzugs« vorgestellt. In der »Kapelle der Versöhnung«, auf dem ehemaligen Mauerstreifen, plädierten Strafrechtsexp