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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2017
Im Herzen die Freiheit
Iran: Reise in ein Land der Widersprüche
Der Inhalt:

Nachgefragt: Warum werden Sie kritisiert?

von Michael Schrom vom 23.06.2017
Lamya Kaddor organisierte den Ramadan-Friedensmarsch in Köln. Es gab viel Lob, aber auch harte innermuslimische Kritik

Publik-Forum: Nach jedem islamistischen Anschlag gibt es abgrenzende Erklärungen von Islamverbänden. Trotzdem haben Sie als Privatperson zu einem Ramadan-Friedensmarsch durch Köln aufgerufen. Warum?

Lamya Kaddor: Die Anschläge von Manchester, London oder Kabul haben bei mir und Tarek Mohamad das Bedürfnis hervorgerufen, innermuslimisch noch ein stärkeres Zeichen der Empörung und des Widerstands zu organisieren – zumal die Verbrechen im Ramadan geschahen. Wir haben eine Stimmung aufgegriffen, so wie die Londoner Imame, die etwa den Terroristen das Totengebet verweigert haben.

Neben Anerkennung gab es Kritik. Die »Ditib« (Dachverband mehrerer türkischer Moscheen in Deutschland) sprach von politischer und medialer Effekthascherei.

Kaddor: Ich halte die Argumentation für fadenscheinig und absurd. Außerdem finde ich den Vorwurf der Effekthascherei traurig. Was blieb uns denn als Privatpersonen anderes übrig, als über die Öffentlichkeit auf den Marsch aufmerksam zu machen? Der Vorstand der Ditib hat offensichtlich ein mangelndes Gespür für politische Diskurse in Deutschland. Er hat aus meiner Sicht den Marsch völlig falsch bewertet.

Fühlte sich Ditib von Ihnen als Mitglied des »Liberal-Islamischen Bundes« provoziert?

Kaddor: Mag sein. Aber es war immer klar, dass diese Demonstration keine Aktion des Liberal-Islamischen Bundes war. Auch Verbände aus dem konservativen theologischen Spektrum haben sich dem Marsch angeschlossen. Sie haben begriffen, dass es in diesem Fall nicht um liberal oder konservativ geht, nicht mal um muslimisch oder nichtmuslimisch, sondern darum, sich mit einer Stimme gegen Gewalt aufzulehnen.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, Sie hätten mit Ihrer Demonstration Wasser auf die Mühlen der Islamfeinde geschüttet, weil sie deren Vorurteile noch verstärkt hätten?

Kaddor: Wie bitte? Ich? Man sollte sich eher fragen, wer die Chance ausgeschlagen hat, islamfeindlichen Vorurteilen etwas Sichtbares entgegenzusetzen. Allerdings ist diese Diskussion sachlich gesehen ohnehin Quatsch. Gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit funktioniert nach eigenen Gesetzen. Um Islamfeindlichkeit zu pflegen, braucht man keine Muslime. Wir haben auch niemanden stigmatisiert. Der Aufru

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