Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2016
Schenkt ihnen nicht eure Angst!
Wie rechte Populisten die Gesellschaft spalten
Der Inhalt:

Rau und hell

Chanson. »Es sind immer dieselben Kleinigkeiten,/ Belanglosigkeiten, um die wir streiten./ Ich bin ganz gut im Dummheiten sagen,/ sie ist nicht schlecht im Türenschlagen.« Reinhard Mey sitzt nach einem Ehekrach im Bäckerladen, rührt unglücklich in seinem Filterkaffee und fragt sich, wer denn eigentlich angefangen hat.

Es sind oft solche scheinbaren Belanglosigkeiten, die den beliebten Liedermacher zu seinen Chansons inspirieren. Blöde Situationen und erfüllende Erfahrungen, wie sie jeder erlebt, in treffende Verse zwischen Gitarrenläufe gebracht. Kleine, alltägliche Beobachtungen, die sich in seiner rauhellen Stimme zu Poesie formen: So kennt man Reinhard Mey und so begegnet man ihm jetzt auch wieder auf seiner neuen CD.

Da besingt er besorgt die verschwundene Katze Lucky Laschninsky. Da feixt er über sein Abenteuer mit Opa Bölke, der aus dem Altenheim »Waldesruh« ausgebüxt ist. Da erzählt er weinselig aus dem Gallo d’Oro, seinem italienischen Stammlokal.

Heiter bis melancholisch war Mey schon immer. Inzwischen sind die Stücke des 73-Jährigen fast alle von leiser Trauer durchdrungen: Sein Sohn Max, der Weltenbummler, der vor zwei Jahren nach einem langen Wachkoma starb, ist in vielen Liedern unausgesprochen präsent. Auf der CD nennt sein Vater ihn »Mr. Lee« und ergibt sich sehr dezent und zärtlich der Vorstellung, dass er nicht gestorben sei, sondern immer noch durch Asien reise. Das Stück »So lange schon« beschreibt dagegen ein Familienpicknick der Meys auf dem Friedhof, bei dem sie Blumenblätter streuen, Sekt trinken und ihren Erinnerungen an den Verstorbenen nachhängen.

Doch zur Trauer kommt immer wieder auch der Tro