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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2016
Schenkt ihnen nicht eure Angst!
Wie rechte Populisten die Gesellschaft spalten
Der Inhalt:

in Memoriam: Die Mutmach-Frau

von Johanna Jäger-Sommer vom 24.06.2016
Elisabeth Moltmann-Wendel

Obwohl Elisabeth Moltmann-Wendel im Juli neunzig Jahre geworden wäre und somit in einem gesegneten Alter war, traf mich die Nachricht von ihrem Tode am 7. Juni wie ein Schlag. Jahrzehntelang kannten wir uns, waren im Gespräch gewesen. Bei der Feier ihres 75. Geburtstags sagte sie mir, dass sie sich auch in Zukunft Herausforderungen durch die immer wieder neue Fragen stellende Journalistin wünschte. Tatsächlich aber gingen ihr auch selbst die Themen nicht aus, ließ sie sich immer wieder von eigenen Erfahrungen zu neuen Reflexionen leiten.

Als sie zum Beispiel knapp achtzigjährig, nach einer schweren Rücken-Operation, mehrere Monate bettlägerig war, entwickelte sie eine »Theologie des Liegens« (Publik-Forum 16/2007). Auch das Altern thematisierte sie in den letzten Jahren.

Zum ersten Mal bin ich Elisabeth Moltmann-Wendel im Jahre 1984 begegnet: Für eine Hörfunksendung über die von mir gerade erst entdeckte Feministische Theologie wollte ich deren damals bekannteste Vertreterin in Deutschland interviewen und suchte sie in ihrem Haus in Tübingen auf. Zur Vorbereitung hatte ich ihre Bücher »Frauenbefreiung« und »Ein eigener Mensch werden« gelesen – später mehrfach aufgelegte »Selbstläufer«. Mich hatte nicht nur ihre Kritik an unserer patriarchalen Kultur und Kirche fasziniert – damit stand sie damals nicht allein –, sondern vor allem ihre Aufdeckung verschütteter Frauentraditionen in der Bibel, etwa durch die Dekonstruktion bekannt geglaubter – aus männlicher Sicht entstandener – Darstellungen von Martha oder von Maria von Magdala. Ihre Neuinterpretationen stützte sie in ihren Büchern durch Bilder von ikonografischen Darstellungen in alten Kirchen, die auf eine lange, verdeckte Frauentradition hinwiesen. Diese biblische Herangehensweise war gegenüber anderen feministisch-theologischen Ansätzen der damaligen Zeit lange ihr Alleinstellungsmerkmal.

Durch ihre verständliche Sprache erreichte Elisabeth Moltmann-Wendel gleichermaßen Theologinnen und kirchliche Basis-Frauen. In Vorträgen und Workshops innerhalb ihrer Württembergischen Landeskirche, aber auch weit darüber hinaus, und durch viele Publikationen wurde sie so bekannt, dass sie für den deutschen Sprachraum regelrecht zur Mutter der Feministischen Theologie avancierte. Frauen fanden durch Moltmann-Wendel nicht nur zu einer ne

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