Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2015
Rettet diese Welt!
Die Umwelt-Enzyklika: Papst Franziskus und sein politischer Sonnengesang
Der Inhalt:

Verloren und gefunden

von Udo Taubitz vom 26.06.2015
Die Australierin Brooke Davis hat den traurigsten wie lustigsten Roman dieses Sommers geschrieben. Er dreht sich um Verlust und feiert gleichzeitig das Leben

Millie Bird ist sieben. Zwar sammelt sie tote Dinge, aber darauf, dass auch ihr Vater plötzlich so ein totes Ding sein könnte, war sie nicht vorbereitet. Und schon gar nicht darauf, dass ihre Mutter sie einfach im Kaufhaus stehen lässt. In ihrer zweiten Nacht unter dem Ständer mit den Büstenhaltern lernt Millie Karl kennen. Karl ist 87 und aus dem Altersheim geflohen, weil er sich dort behandelt fühlte, als wäre er schon tot. Auf der Flucht vor dem Kaufhausdetektiv landen die beiden bei Agatha, 82, einer ruppigen Witwe, die täglich penibel ihre Falten vermisst. Millie weiß nicht, ob sie lachen oder weinen soll. Denn, so ihre Erfahrung: »Alle Erwachsenen, die sie kennt, reißen Stücke aus ihrem Herzen heraus und nehmen sie mit und geben sie nie mehr zurück.«

Von Verlust und Trauer erzählt Brooke Davis in ihrem herzzerreißenden Debütroman – und zugleich von einem Abenteuer voll furiosem Witz: Wie drei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aufbrechen, um Millies Mutter zu suchen, und dabei zurück ins Leben finden.

Sechs Jahre lang hat die australische Buchhändlerin an ihrem Buch »Noch so eine Tatsache über die Welt« geschrieben. Es half ihr, den Unfalltod ihrer Mutter zu verarbeiten. »Nur was ich aufgeschrieben habe, verstehe ich wirklich«, sagt die 35-Jährige beim Interview und lacht wie ein kleines Mädchen. »Ich brauche das Schreiben zum Leben. Das war schon so, als ich ein Kind war.«

Millie, die vorlaute Heldin ihres Buches, schreibt auf Fensterscheiben, Tische und Wände: »Du wirst sterben!«

Stimmt. Wir alle werden sterben. Aber kaum jemand will darüber nachdenken – weil mit unserem Ende die Welt für uns nicht mehr existiert. »Mir persönlich hilft das Wissen um den jederzeit möglichen Tod, mein Leben viel mehr zu schätzen«, sagt Brooke Davis, die bis zum Unfall ihrer Mutter ein »fast naiv fröhlicher Mensch« war. Also ist so ein herber Verlust letztlich ein Geschenk, das persönliche Reife bringt? »Nein. Ich hab zwar einiges gelernt. Aber lieber hätte ich meine Mom wieder.«

Auch Millie lernt so einiges auf ihrem Road-Trip quer durch Australien: Dass eine Schaufensterpuppe aus Hartplastik ein guter Begleiter sein kann, insbesondere wenn beim nächtlichen Friedhofsbesuch eine Horde Betrunkener ankommt. Dass in jeder Wüste irgendwo eine rettende Oase wartet, wenn auch nur in Form eines trostlosen Pubs mit üb

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen